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Dibre Emeth · 1871-01-01 · 7-8 (1871) · page 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
27 (1871)
Issue
7-8 (1871)
Date
1871-01-01
Page
– (sequence 26)
Language
German
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122 Mit tiefem Verdruß sah ihm Cineas ins Gesicht. „Das ist Alles? Das ist das Ziel eurer göttlichen Offenbarung? Damit verglichen ist Plato wahrhaft göttlich; Socrates ist ein Gottneben einem solchen Messias. Euer verheißener Führer würde nur die Erde mit wildem Krieg erfüllen und die ganze Menschheit würde krampfhaft erregt werden. “ „Denk an das herrliche Ende!" antwortete Cineas. „Das herrliche Ende! Jerusalem Herrschersitz statt Rom! Kampf, HeereSzüge, Eroberung reizen den Sinn der Menge; was bedarf dessen das göttliche Wesen? Nach deiner Darstellung opfert es alle Völker der Erde einem Schauspiel. Das paßt für den Herrscher des Olymp, aber nicht für den Gott, den die Philosophie uns kennen lehrt." „Sein Sieg wird sein Volk erhöhn," erwiderte Isaak. „Er wird die Erde mit seinem Ruhm erfüllen. Das Heil Aller wird das Ende sein. Ein neues goldenes Zeitalter wird für die Erde wiederkehren, und Er wird herrschen über Alles." „In all seiner Hoheit," sagte Cineas, „würde Er weit hinter unserem großen Lehrer Socrates zurückstehn, wie er im Verhör seinen Feinden sagte, er vergebe ihnen." „Dein Messias auf dem Throne Jerusalems, der Sieger über eine unterworfene Welt, von seinen jüdischen Heeren umringt, wäre nicht dem Socrates zu vergleichen, da er im Gefängniß freudig lächelnd den Kelch nahm und das Gift trank. Ich fühle keine Bewunderung für deinen Sieger. Wenn du mir sagst, daß der gewcissagte Triumph nur bildlich zu verstehn ist, der Sieg ein Sieg des Geistes, dann will ich mich von der Göttlichkeit deiner Schriften zu überzeugen suchen." „Rein," sagte Isaak ernst und fest. „Unmöglich. Sie sind buchstäblich zu verstehn, oder alles ist unwahr. Wenn du die buchstäbliche Wahrheit wegnimmst, stirbt die Hoffnung von Jahrhunderten. Dann sind die Juden zum Besten gehalten worden. Anzunehmen, daß der Messias ein bildlicher Sieger im Gebiete des Geistes sei, ist eine Verhöhnung unserer Erniedrigung. Nein!" wiederholte er mit einer Art Fanatismus, „ich bin in

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