Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 7-8 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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121 tyrannischen Prätoren, keine plündernden Heere, keine unterdrückten Völker geben, die sich empören. Unser Gott wird dann selbst die Gestalt der Natur verändern. Die Wüste wird grünen, die wilden Thiere werden zahm werden. Krieg wird nicht mehr sein; denn Gott wird herrschen auf seinem heiligen Berge Zion." Cineas dachte: also weiter enthalten diese heiligen Schriften nichts und war verstimmt über diese Entdeckung. Denn er war überzeugt, daß Isaak mit ihrem Inhalt besser vertraut war als sonst irgend jemand, und was dieser ihm darüber sagte, sprach ihn nicht an. Isaak aber citirte voller Begeisterung aus den Weissagungen des Propheten Jesaias 49, 13 bis zum Ende des Capitels. Trost und Siegesfreude schöpfte der Jude offenbar aus diesen Worten. Pie innige Gemeinschaft des erwählten Volkes mit seinem Gott, deren Ausdruck sie waren, schien Jsauks Glauben an die erhabene Bestimmung seines Volkes zu bestätigen. Doch der Gedanke war ihm zuwider. Ein rein äußerlicher Triumph, Eroberung, Sieg, wie groß auch deren Folgen sein mochten, schienen ihm nicht die größte That Gottes zu sein, sie schienen', ihm vielmehr die erhabene Vorstellung von dem Unendlichen zu verdunkeln, Jerusalem zu einem zweiten Rom zu machen. Warum sollte der Athener darin etwas Göttliches sehn? „Dies Bild ist in seiner Art groß/ entgegnete Cineas, „doch kann ich in solchem Rathschluß nichts der Gottheit Würdiges sehn. Wäre euer Messias ein Lehrer, seine Eroberungen Siege der Wahrheit, lehrte er das vollkommen Gute und vollkommen Schöne, das wäre Gottes würdig." „Ein Lehrer!" rief Isaak mit einem Tone, der sich nicht wiedergeben läßt, „ein neuer Lehrer! Was vermöchte der? Zahllose Lehrer sind gekommen. Propheten und Priester haben Worte Gottes gesprochen. Was haben sie ausgerichtet? Nichts. Selbst unter uns, dem auserwählten Volke, ist ihre Stimme kaum vernommen worden. Wir brauchen mehr, brauchen einen mächtigen Herrscher, der uns zum Siege führt unter gewaltigen Wundern."