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Dibre Emeth · 1871-01-01 · 7-8 (1871) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
27 (1871)
Issue
7-8 (1871)
Date
1871-01-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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114 ihr einziger Inhalt aber Gott sei. Trotz aller Bewunderung für die Werke des griechischen Geistes, in denen die Vollendung des menschlichen Wesens an den Tag trete, müsse er dieselben daher auch unter die hebräische Literatur stellen; denn die hebräische Literatur sei die des Herzens, die griechische die des Verstandes. Platos Erhabenheit und Pindars mächtiger lyrischer Drang der Leidenschaft miteinander vereint könnten allein eine ungefähre Vorstellung der hebräischen Dichtung geben. Cineas lächelte, er schrieb solche Worte Isaaks der Barbaren- Natur desselben zu. Doch bat er den Juden um weitere Proben seiner nationalen Poesie. Isaak erhob sich; die ganze Gestalt und das gewaltige Haupt nahmen eine so gebietende Art an, daß der Athener unwillkürlich an den Olympischen Zeus erinnert wurde. Der Jude aber begann in sich steigernder innerer Bewegung den 18. Psalm: „Herzlich lieb habe ich dich, o Herr" zu recitiren. Der Dichter singt in demselben zuerst von der Liebe zu seinem Schöpfer, stellt dann die Macht des Unendlichen dar, und wie derselbe sie zur Rettung eines Sterblichen gebraucht. Mit dem Dichter aber schien Isaak ganz eins geworden; denn Alles war ihm offenbar eben so sehr die innerste Gewißheit wie dem Dichter. Da gestand sich der Philosoph, daß solcher Erfahrung gegenüber auch die erhabenste Sprache Platos nur kalt klinge. Er drängte den Juden, als derselbe anhielt: „weiter, weiter!" aber dieser war von seiner eigenen Bewegung ganz überwunden, und schmerzlich klagend entquoll seinen Lippen „der gefangenen Juden Jammerlicd." Psalm 137. Das sehnsüchtige Heimweh, welches aus diesen Worten und Tönen sprach, rührte den Athener tief, er bat um Vergebung, wenn er schmerzliche Erinnerungen geweckt habe. Unv damit gab er nun dem Gespräche eine andere Wendung. Er vertraute dem Alten jetzt an, wie er selbst in Kurzem die Sorge für die Familie und das Gut übernehmen, dabei ihn aber als seinen Gehilfen gebrauchen wolle. Mit unverstellter Freude hörte das Isaak. „Das befreit mich von einer großen ängstigenden Unruhe — denn du wirst es leicht erkennen, wenn irgend wie übel gewirthschastet worden ist."

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