Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 7-8 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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108 daher nun und nimmermehr ein Lamm Gottes sein, das auch ihre Sünden tragen sollte, sondern nur ein König und Herrscher, der Israel nach Verdienst und Würdigkeit zum herrschenden Volk der Erde machte. Der Messias konnte ihnen nur den Zweck haben, das auch äußerlich an Israel zur Erscheinung zu bringen, was bisher nur eine geistige Größe desselben gewesen war. Auf dieser Ueberzeugung steht der aufgeklärte Mendelssohn eben so sehr, als MaimonideS oder die Pharisäer in Jesu Tagen. Und wenn zwar die orthodoxen Juden heutiges Tages einen Messias wie Mendelssohn erwarten, die Reformer dagegen nicht mehr, so haben doch letztere es in keiner Weise aufgegeben, daß die Zukunft den Juden noch eine ganz besondere Stellung als Lohn ihrer Vortrefflichkeit bringen müsse. Für die Orthodoxen soll dies ein Messias aus Davids Hause einmal thun, für die Reformer dagegen soll es eine Folge der wachsenden Cultur und Humanität sein; den Juden soll von der Menschheit selbst dieser Vorzug in vergeltender Dankbarkeit entgegengebracht werden. Die sogenannte messianische Zeit wird nach der Auffassung beider jüdischer Parteien die Juden an der Spitze der Menschheit und als ihre Führer zeigen. Nach den Orthodoxen wird das so geschehen, daß Israel dann wieder ein Volk in Palästina ist; nach den Reformern dagegen so, daß die Juden unter den Völkern wie bisher wohnen bleiben, aber die Leitung derselben auf allen Gebieten in die Hand nehmen. Und so hat denn das Judenthum diese 13 Artikel des Maimonides nicht zufällig wie ein Glaubensbekenntniß behandelt; so ist auch ihre Wiederholung durch Mendelssohn nicht eine gleichgültige Sache, sondern in beiden Fällen gewinnen wir wirklich durch dieselben eine zutreffende Einsicht in das innere Wesen des Glaubens der großen jüdischen Massen, zumal seit der nachchristlichen Zeit. Zwei Gesichtspunkte treten üns in demselben als leitende und herrschende hervor, eine Negation und eine Position. Die Negation und Opposition richtet sich deutlich gegen das christliche Bekenntniß. Die Position giebt den Juden eine ähnliche Stelle in der Menschheit, wie sie von dem Neuen Testament und von der Chri-