Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 7-8 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554789-2554794--05591-2561553- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
107 geffen oder außer Acht lassen. Für die Nichtjuden findet sich in diesem Gedankengange kein Raum. Wohl ist von allen Menschen die Rede, aber daS Höchste, waS nach diesen Artikeln die Menschen erreichen können: Erkenntniß "der Wahrheit durch die Offenbarung, ein Leben in den Ordnungen, welche das mosaische Gesetz aufgestellt hat, und die Vollendung des Lebens durch den Messias, wird, gleichsam selbstverständlich, als nur für die Juden geltend behandelt. Ob die übrige Menschheit daran Theil haben dürfe, was dieselbe hieraus für einen Gewinn schöpfen solle und könne, damit hat das jüdische Bekenntniß nichts zu thun, davon sagt es nichts Ausdrückliches; wer darüber etwas wissen wollte, müßte erst auf dem Umwege von allerlei Schlußfolgerungen darauf zu kommen suchen. Mit den Juden beschäftigt sich dieser Glaube direkt, mit den fast unzählbaren Millionen der Anderen nicht; er hat für sie kein bestimmtes Interesse. Und so ist denn auch die Lehre vom Messias in dem nachchristlichen Judenthum, selbst in dem Culturjudeuthum, das doch in Mendelssohn seinen Vater erkennt, eine höchst charakteristische. Der Rationalismus der Christen wurzelt gleichfalls in der tiefen Überzeugung der eigenen Tugend; er kennt darum nur einen Messias als höchstes Tugendvorbild, als Menschheitsideal. Die jüdische Lehre bedarf ebensowenig einen Messias der Ungerechten, der die Knechts- und Blutarbeit der Reinigung von der Sünde, wie Jesaia 53 sie beschreibt, auf sich nimmt. Aber in einem Stücke unterscheidet sich dieser jüdische Messias noch von dem des christlichen Rationalismus. Es gehört zu den Grundüberzeugungen der Juden, daß ihnen selbst ein besonderer Vorzug vor allen anderen Menschen zukomme; die Erhabenheit der Juden über die ganze übrige Menschheit ist seit der Zeit ihrer Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft ihr eigentlich charakteristisches Dogma geblieben. Darum waren zur Zen Christi die Pharisäer die Volkspartei, weil sie das innerste Bewußtsein ihres Volkes auözusprechen verstanden hatten, weil sie auf tausend Weisen den einen Gedanken zum Ausdruck zu bringen wußten, daß die Glorie der jüdischen Heiligkeit und der jüdischen Gvttesgröße auch alle römische und griechische Herrlichkeit so weit übertreffe, wie das Sonnenlicht einen gemalten Glanz. Der Messias konnte für sie