Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 5-6 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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86 Die Misfionsmethode von Samuel Lieberkühn. Im Jahre 1764 hat S. Lieberkühn in Folge amtlicher Veranlassung der herrnhutischen Synode einen Aufsatz über die Methode, welche er in seinem Umgänge mit den Juden und in seinen Bemühungen, dieselben für Christum zu gewinnen, beobachtete, vorgelegt. Dieses Aktenstück ist in vielen Beziehungen ein solches Muster christlicher Weisheit und Liebe, daß es trotz einzelner Einseitigkeiten fast das Beste genannt werden muß, was je über diesen Gegenstand gedacht und geschrieben wurde. Die Hauptgrundsätze, welche S. Lieberkühn ausgesprochen hat, werden es je und je für allen Verkehr mit den Juden, bei dem man ihre Gewinnung für die ewige Wahrheit im Auge hat,, bleiben müssen; die Bildungs- und Zeitformen mögen an der Außenseite Manches ändern; im Uebrigen aber wird nichts einen solchen Eindruck auf die Juden machen, als der Beweis des Geistes und der Kraft, bei dem das Leben das Höchste bleibt und das Wort sich zum Zeugniß gestaltet, das heißt: zum Ausdruck eines viel mächtigeren inneren Gehaltes. So war es mit S. Lieberkühn der Fall. Wir lassen nun seine Ausführungen wörtlich folgen: „In meinem dreißigjährigen Umgänge mit den Juden habe ich einmal Gelegenheit gehabt in einer Synagoge einen öffentlichen Vortrag zu thuy und zwar 1740 zu Gröningen. Nachdem sie ihr Gebet verrichtet hatten, bat ich mir von den Aeltesten die Erlaubniß aus, eine Frage zu thun, die dann Anlaß gab zu mehreren Fragen, bis ich endlich allein das Wort führte und predigen konnte. Nun ist es ein großer Unterschied, wenn man das Evangelium predigt und wenn man nur privatim mit ihnen redet. In einer Predigt redet man aus der Fülle seines Herzens, wie es Einem zu der Stunde gegeben - wird; in Privatgesprächen mit ihnen ist es sehr nöthig, daß man sich einer Methode bedient, wodurch aller Disput abgeschnitten, die Wahrheit ihnen deutlich beigebracht und aller Anstoß dabei aus dem Wege geräumt wird.