Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 5-6 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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84 Ein Zeuge des erwachten religiösen Fragens in Polen ist dann auch Kirchhof selbst gewesen. Derselbe erhielt im Jahre 1758 von Herrnhut aus den Auftrag, diejenigen Juden in Polen aufzusuchen, welche sich dem christlichen Glauben zugewandt hätten. Nach seinem Berichte fand er auch an einem von ihm nicht näher bezeichneten Orte in Klein-Polen eine Anzahl von Juden, die ihm bezeugten, daß sie glaubten, der Messias müsse schon gekommen sein, übrigens aber Jesum Christum als denselben noch nicht erkannten. Kirchhof beschrieb ihnen denselben nach Jesaia 53 als den Versöhner der Sünden aller Welt und gab ihnen einige Auskunft über die Brüdergemeinde, wofür sie sich dankbar zeigten und ihm versprachen Gott zu bitten, daß er ihnen den rechten Messias offenbar machen wolle. Er hätte sich länger bei ihnen aufgehalten, heißt es in dem alten Berichte, und hatte die Hoffnung, daß sein Zeugniß von Jesu ihnen zum Segen werden würde; allein die anderen und feindlich gesinnten Juden fingen schon Unruhen darüber an, so daß er es für rathsamer hielt, nach einem kurzen Aufenthalte wieder abzureisen. Die Brüdergemeinde aber beschloß hiernach, mit der eigenen direkten Missionsarbeit unter den Juden innezuhalten und auf die Zeit zu warten, wo ihr die Hhüre wieder aufgethan würde. Verlor sie auf diese Weise den Muth zu weiterem Wirken, so blieb ihr doch wenigstens die Sache Israels im Gedächtniß. In einigen ihrer Lieder hat auch das Verlangen nach der Bekehrung Israels seinen Ausdruck gefunden. Und in ihrer Kirchenlitanei befindet sich die Stelle: „Erlöse das Volk Israel von seiner Blindheit und bringe noch viele von ihm vorher zu deiner Erkenntniß, bis endlich die Fülle der Heiden eingegangen ist, und also das ganze Israel selig werde." In den früheren Zeiten der Gemeinde wurde sogar am Jom Kippur (Versöhntag) eine besondere Versammlung veranstaltet, in welcher der Gegenwart Israels und seiner Bekehmng gedacht wurde; knieend betete dann die ganze Gemeinde und oft unter Thränen um Israels Bekehrung zu Christo. Noch 1761 hielt Lieberkühn an diesem Tage eine sehr eindringliche Rede an die