Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 5-6 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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81 Zeit, wo es glaubte, von jenen Volksstämmen die Cultur als die rechte Religion annehmen zu müssen, sich fast durchweg treu an die talmudischen Formen anschloß, stieg aus dem Schooße des östlichen Judenthums eine religiöse Frage nach der anderen empor, welche die innere Einheit und den Zusammenhang desselben zu zerreißen drohte. In der Mitte des 17. Jahrhunderts brachte Sabbathai Zewi (1626 — 1676) eine gewaltige Bewegung unter jenen Juden hervor. Derselbe war ein Mystiker und Asket und verkündigte das Messiasreich; er selbst ließ sich als den verheißenen Messias proklamiren und fand in Klein-Asien, der Türkei, Rußland und den polnischen Ländern einen großen Anhang. Zwar wurde er zuletzt genölhigt, mit vielen seiner Getreuen zum Muhamedanismus überzugehn, aber die von ihm erweckte Bewegung hatte auf jenen Gebieten ein lebhaftes Fragen nach dem Messias und seiner Ankunft zurückgelassen. Da sehen wir in diese eben noch immer etwas erregten Gebiete die Mission eintreten. Im Jahre 1747 finden wir den bedeutendsten Judenmisstonar der nachapostolischen Zeit, Stephan Schultz, in Russisch-Polen und Galizien beschäftigt. Wo er erscheint, ist er von Juden umringt; oft nöthigen ihn dieselben bis in die tiefe Nacht hinein mit ihnen über die Fragen des Alten und Neuen Testaments, des Messias und Jesu Christi zu sprechen. Die Bewegung, welche damals stattfand, war wirklich eine ungewöhnliche. Nun erzählt uns aber St. Schultz selbst folgenden Vorfall aus dem polnischen Städtchen Chronice. Dort hatte sich zwischen ihm und einem jüdischen Kreise ein Gespräch angeknüpft, dessen Eindruck der mitanwesende Rabbiner nicht vergessen konnte. Derselbe hatte den Missionar über die Speisen, welche er zu sich nahm, ein hebräisches Segensgebet sprechen hören, welches vielfach an das jüdische Tischgebet erinnerte, und ruhte nicht eher, als bis ihm Schultz dasselbe nkbderschrieb. Aber er verlangte nun mehr, er wünschte sich ein Gebet für sein ganzes tägliches Leben. Im Namen Jesu, des neuen Adam, hatte das erste Gebet den Segen über Speise und 6