Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 5-6 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554789-2554793--05563-2561524- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
80 christliche Länder zu ziehen. Weil sie aber bei der Verschiedenheit der christlichen Religionsparteien nicht wußten, in welcher sie die reine evangelische Wahrheit antreffen würden, so gingen ihre Bemühungen für's Erste dahin, davon Gewißheit zu erlangen. Allein die Verfolgungen der übrigen Juden, die durch ihre eben angeführte Erklärung auf's Aeußerste wider sie erbittert worden waren, ließen ihnen nicht Zeit, ihre Untersuchungen fortzusetzen. In diesen Umstanden erwählten sie den kürzesten Weg und gingen größtentheils zur katholischen Religion über." Dieser an die Brüdergemeinde eingcsandte Bericht enthält aber allerdings sehr viel Thatsächliches. Es mögen darüber die folgenden kurzen Bemerkungen erlaubt sein. * In den slavischen Votksgebieten wohnt bekanntlich der größere Theil aller Juden; ganze Gegenden tragen daselbst, so kann man sagen, einen eigenthümlich jüdischen Typus. Das dichte Beisammenwohnen einer so großen Menge derselben hat auch den Einfluß gehabt, daß die jüdische Eigenart sich vort noch selbstständiger und abgeschlossener als sonst erhielt, und die äußere Umgebung einen um so geringeren Einfluß aus sie ausüben konnte. Daher hat nun die dem Religiösen überhaupt zugeneigte Richtung des ganzen jüdischen Thuns und Treibens dort den weitesten Raum gefunden; und die religiösen Fragen sind in noch höherem Maße, als sonst wohl, gerade unter diesen Juden des. Ostens das eigentliche Lebenselement geblieben, welches, die große Masse beschäftigte. Je geringer oft die Ausbeute im Handel und Wandel unter den Nichtchristen war, weil sich eben zu viele Juden auf einen engen Kreis angewiesen sahen, desto stärker wurde gewissermaßen die religiöse Concurrenz in der eigenen Mitte einer so zahlreichen jüdischen Bevölkerung; die Interessen konnten sich nicht in dem Maße wie unter den westlichen Völkern nach Außen lenken, und eben deshalb wandten sie sich mit doppelter Lebhaftigkeit nach Innen. So ist denn nun auch gerade das östliche Judenthum der eigentliche Boden für die jüdische Sektenbildung in der nachchristlichen Zeit geworden^ Und während das Judenthum der germanischen und romanischen Länder bis zu der