Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 5-6 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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78 vater muß gelitten haben, was kein Mensch hätte beschreiben' können. Meine Großmutter, der ich mich noch erinnern kann, pflegte mü der größten Liebe von ihm zu reden, aber die Familie gestattete ihr nie sich nach ihm zu erkundigen, und ließ sie nie wissen, wo er wohnte. Mein Vater warnte mich täglich vor den Nazarenern. Er starb. Ich bin nun über 60 Jahre alt. Dort ist das Grab meines Vaters. Ich werde nicht in seiner Nähe ruhn. Ich glaube an Christum!" Als er diese Worte aussprach, strömte eine Fluth von Thränen aus seinen Augen. Wir saßen eine Zeitlang schweigend da. Der Aufseher des Gottesackers näherte sich, um uns zu sagen, daß wir fortgehen müßten, da er die Thore zumachen müsse. Wir gingen. Ich sprach auf dem Heimwege viel mit ihm über die Rothwendigkeit, Christum vor den Menschen zu bekennen, wenn er uns vor seinem himmlischen Vater bekennen soll. Mein Freund erwiederte nichts, seufzte aber für sich, und seine Seufzer kamen aus einem Herzen, das augenscheinlich voll der heftigsten Gemüthsbewegungen war. Wir traten in das Judenquartier ein und trennten uns von einander, indem wir einander herzlich die Hände schüttelten." Der Rabbi Samuel, dessen Predigt des Gekreuzigten eine solche von Großvater auf den Enkel sich vererbende Wirkung ausgeübt hatte, war Samuel Lieberkühn. Ein kostbares Erbe, das er der Judenmission und der Christenheit überhaupt hinterlassen hat, nämlich „seine Anleitung zu einer zweckmäßigen Methode, mit den Juden umzugehn," wird hernach mitgetheilt werden. Zuvor soll noch der anderweitigen Bemühungen, welche im Kreise der Brüdergemeinde in der Judenmissionssache geschehn sind, eine kurze Erwähnung gelhan werden. Wir geben dieselbn nach dem altem Manuskript wieder, das schon vorher genannt worBen ist. Da heißt es: „Bemühungen anderer Brüder." „Einige Zeit nach Lieberkühns Weggang von Amsterdam wurde der Bruder Otto Wilhelm Hesse dahingeschickt und speciell zur Arbeit unter den Juden daselbst am 19. April 1743 ab-