Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 5-6 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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69 Liebe zuwenden, welche er vormals gegen die Heiden von. St. Thomas geübt hatte. . Wo Leonhard Dober als Missionar auftritt, da bietet er auch das Bild einer Entsagung dar, die Alles dranzufetzen vermag, um sogleich die ganze Kraft der Liebe zu entsalten. Er vergißt sich selbst in so hohem Maße, er wird in That Allen so sehr Alles, daß er Jedem, an den er sich wendet, die allerpersönlichste Auslegung des Wortes wird , das er zu ihm redet. Kaum ist er daher in Amsterdam angelangt und den Juden begegnet, die sich dort nach der Vertreibung aus Spanien und Portugal in großer Zahl niedergelassen hatten, so ist er auch ihr Diener geworden und zwar in einem Dienst, der ihnen auf Schritt und Tritt nach geht, um nur ja nicht von ihnen zu lassen, als bis auch sie an demselben Jesus hangen, der eine Seligkeitsfülle in sein Herz ergossen hat, die ihn dringt und zwingt, andere Herzen zu suchen, daß sie, wie sein eigenes, Gesäße für den Reichthum werden, der ihn ganz überwältigt har. Er begiebt sich also, wie dort auf St. Thomas in das Negerquartier, so hier in Amsterdam in das Judenviertel (Judenhoek genannt), arbeitet daselbst mit seiner köstlichen Frau, der aus Mähren gebürtigen Herrnhuterin Anna Schindler, welche er 1737 geheirathet hatte, in großer Armuth und unter saurem Mühen um sein tägliches Brot, und tritt dann mit dem Zeugniß eines solchen Lebens, das die Juden mit ihren eigenen Augen täglich sehen müssen, vor sie hin. Wie Paulus sich in Corinth in harter Nachtarbeit am Webestuhl seinen Lebensunterhalt selbst verdiente, damit nur ja Niemand sagen möchte, er treibe das Evangelium um irdischen Lohnes willen; wie er aber gerade dadurch die Herzen und die Augen nöthigte es zu erkennen, daß sein ganzes Leben nur den einen Zweck hätte, die Sache des Evangeliums vor Alle zu bringen, so geht L. Dober denselben Weg. Nicht als ob dieses sein Verfahren eine bloße Nachahmung des apostolischen Vorbildes gewesen wäre, sondern es brannte in ihm die gleiche Gluth des * Herzens, welche sich nur dann genug that, wenn ihre ganze Kraft für Christum und für die Brüder wirken konnte. Seine Arbeit unter den Inden war jedoch nur von kurzer Dauer, sie geschah in