Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 3-4 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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59 dem daselbst genannten Nunez d'Acosta hat es folgende Bewandtniß. Als der Graf von seiner Visitation der neu entstandenen Heidengemeinden auf den westindischen Znseln zurückkehren wollte, bat ihn jener Jude unter Thränen, ihn mit sich nach Europa hinüberzunehmen. Zinzendorf erhörte seine Bitte, bezahlte die Reisekosten für Acosta und seine Frau, und überließ ihm sogar das kleine Cabinet im Schiffe, welches der Capitain allein auf besondere Verwendung des Jnselgouverneurs dem Grafen eingeräumt hatte, so daß der Letztere sich mit den übrigen Passagieren in der Cajüte einlogirte. In den sieben Wochen der Seefahrt war nun aber Acosta auch ein begieriger Hörer des Grafen, mit dem er oft bis nach Mitternacht über religiöse Dinge sprach. Zinzendorf war unermüdlich, dem Juden sein Evangelium an das Herz zu legen, wiewohl er nicht in denselben drang ein Christ zu werden; und als nun der Graf dafür, daß er jenem Manne sein eigenes Bett abgetreten hatte, recht krank wurde, fand er in demselben einen dankbaren Pfleger. Noch im Jahre 1740, aus welchem der offene Brief Zinzendorfs an die Juden der Wetterau stammt, war dann dieser Acosta bei ihm; doch wissen wir nicht, was aus ihm geworden ist. Man möchte kaum glauben, daß die freundliche und barmherzige Liebe eines Zinzendorf und der Seinen ohne nachhaltigen Eindruck auf Acosta geblieben ist; jedenfalls hat derselbe gar manchmal mit Thränen in den Augen das Bekenntniß zu Jesu und die Lieder seines Ruhmes und die mächtigen herzandringenden Gebete, die auch Israel und diesen Sohn Israels in's besondere, umschlossen, von Zinzendorfs Lippen und von denen seiner Gemeinde angehört. In der sonntäglichen Kirchenlitanei der Brüdergemeinde wird aber auch noch heute für Israels Bekehrung gebetet, und besonders am Jom Kippur (dem Versöhnungstag) gedachte Zinzendorf stets der Juden und empfahl sie der Fürbitte der Gemeinde. Am Versöhnungstage des Jahres 1739 hatte er dies besonders nachdrücklich gethan; nach feiner Rede aber fiel er auf die Kniee und betete für Israel mit Worten der tiefsten Innigkeit und des wahrhaftigsten Mitleides. Dann aber sang er, im unmittelbaren Er-