Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 3-4 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2554541-2554789-2554792--05540-2561500- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
58 muthung für Zinzendorf in Mitten dieser Schaar, die sich übrigens auf 56 Familien belief, mit seiner Gemeinde Wohnung zu nehmen. Aber er that es, und diese erste, so gründlich verwahrloste Bevölkerung seiner neuen Heimath wurde auch der erste Gegenstand seiner leiblich und geistlich helfenden Fürsorge. Glaubrecht in seinem schönen Buche „Zinzendorf in der Wetterau" hat uns davon ein anschauliches Bild gegeben, und gerade er hat auch den Verkehr des Grafen mit den Juden daselbst und besonders seinen entscheidenden Einfluß auf einen alten Israeliten Abraham ergreifend geschildert. Professor Delitsch, der einen höchst anziehenden Artikel über Zinzendorfs Verhältniß zu den Juden in seiner Zeitschrift „Saat auf Hoffnung" Ostern 1869 geschrieben hat, aus dem wir für die hier gemachten Mittheilungen sehr Vieles geschöpft haben, fügt ausdrücklich hinzu, daß der Glaubrechtschen Erzählung von dem alten Abraham nach des Verfassers eigener Versicherung geschichtliche Erinnnerungen zu Grunde liegen. Was Glaubrecht übrigens im farbenreichen Bilde lebendig gemacht hat, stimmt völlig mit Spangenbergs Erzählungen, die in seiner Lebensbeschreibung „des Herrn Nicolaus Ludwig, Grafen von Zinzendorf" enthalten sind, überein. Derselbe berichtet, daß sich in den Versammlungen ZinzendorfS zu Berleburg wohl bei zwanzig Juden, Jüdinnen und ihre Kmder eingefunden hätten, und beschreibt den Eindruck dieser Reden und Gebete, unter deren Macht oft die Herzen wie Wachs geschmolzen waren. Der Graf selbst aber sagt „als ich diese Juden sah, entschloß ich mich, bei großer Schwachheit ihnen erpreß zu predigen. ,Jch nahm die Worte von Melchisedek 1. M.os. 14, 18. 19 verglichen mit dem 110. Psalm. Hierüber redete ich mit inniger Bewegung und großer Freudigkeit von unserem ewigen Mittler und Hohepriester. Alle meine Beweisgründe entnahm ich aus dem Alten Testamente, drang aber immer auf das Zeugniß des Kreuzes, auf den Kampf und Sieg mit Jacobs Waffen (Hosea 12, 5). Die Juden wurden theilweise bis zu Thränen gerührt." Aus diesem Verkehr Zinzendorf's mit den Juden der Wetterau ist also her oben erwähnte offene Brief deffelben entstanden. Mit