Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 3-4 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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57 er ist, und erkennen, daß er zuerst in einer armen Gestalt Md darnach erst herrlich erscheinen wird. DaS ist die Ursache, warum ich euch bisher noch nichts von meinem Lamme gesagt, das ich doch in so vielen Gegenden der Welt predige und predigen lasse, und das mir doch nie aus Herz und Mund kommt. Das ist die Ursache, warum ich meinem Nunez d'Acosta so wenig als euch davon vorsage, ob er gleich in meinem Hause und Brote ist, und mich gewiß als seine Seele liebt. Ihr müßt erst euren Sinn ändern, ihr müßt erst Kinder werden, ihr müßt erst eure Selbstgerechtigkeit fahren lassen, und glauben, daß ihr verlorene Sünder seid, die Jemand brauchen, der sich ihrer erbarme zeitlich und ewig. Alsdann, meine um der Väter willen geehrte Väter, und um meines auch um euch geschlachteten Lammes willen innig geliebte Freunde! will ich euch mit Freuden und Liebesthränen von dem vorsagen, ohne den ich weder leben noch selig werden will, und mit dem ich lieber in der Hölle, als ohne ihn im Himmel sein wollte. Ihr wißt wohl, wen ich meine. Ludwig von Zinzendorf. DaS Schreiben stammt, wie gesagt, aus der Zeit des Aufenthaltes Zinzendorfs in der Wetterau. Der Graf, im Jahre 1736 durch elende Jntriguen aus Herrnhut und Sachsen überhaupt durch die Staatsregierung verbannt, hatte sich nach Frankfurt a. M. begeben. Er wurde von dem Adel dortiger Gegend, besonders von den verschiedenen Grafen Isenburg, freundlich ausgenommen. Dieselben boten ihm zuerst einen Theil des Schlosses Marienborn als Wohnung an, und als dasselbe die Brüder und Schwestern, die dem Grafen aus Herrnhut nachgekommen waren, nicht mehr zu fassen vermochte, ein altes wüstes und halb verfallenes Schloß, die Ronneburg in der Wetterau, jenem anmuthigen Landstriche zwischen dem Taunus und dem Vogelsberg, der von der Wetter durchflossen wird. In den Mauern dieses öden Baues hauste allerhand verdächtiges Gesindel, Zigeuner, Spitzbuben und neben denselben auch eine Anzahl von jüdischen Familien. Es war eine harte Zu«