Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 3-4 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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45 Sinn, daß sich die Juden von den'andern Nationen unterscheiden, die sie für Sklaven halten, wie die Deutschen die Wenden. W. Nun das schickt sich freilich nicht zusammen; man redet manchmal und weiß nicht, was! aber daß die Juden Schelme sind, dächte'ich, wäre wahr. P. Lieber Herr Wirth! wie nennt man denn unsere Glaubensgenossen, die an den Galgen hangen und auf den Rädern liegen? W. Ja! das sind doch nicht alle, und Gottlob die wenigsten Leute unter uns; aber bei den Juden ist das Betrügen das gemeine Handwerk. P. Das sagt man wohl auch von ganzen christlichen Nationen, vielleicht ohne genügsamen Grund. Aber, mein Herr! was nennt er betrügen? W. Wenn ich zum Exempel etwas Böses für gut ausgebe, etwas Geflicktes für ganz und führe meinen Nächsten damit an. P. So? und was wollte der Herr Bmder bei dem Juden? ich hörte, däucht' mich, er wollte sehn, daß er die etlichen Ellen Leinewand, damit er betrogen war, bei ihm anbringen könnte, daß eS der Jude nicht merken sollte. W. Da denkt man, es ist doch ein Jude, er betrügt einen vielmal, man kann ihn auch schon in die Schule führen, er hat die Augen, daß er sich's ansehn kann. P. Das ist nun wohl eine schlechte Entschuldigung; aber sie kommt hier sehr wohl zu paffe. Denn mich däucht, der Jude denkt auch, das ist ein Christ, der gönnt mir auch nicht viel Gutes. W. ES ist so, wie der Herr sagt. P. Nun will ich auch ein Wort sagen, warum ich mit einem Juden, der theurer giebt, mehr Geduld habe, als mit einem Christen. W. Das möchte ich doch hören. P. Wir Christen haben etwa fünfhundert ehrliche Handthierungen, ein Jude hat an den meisten Orten nichts als seinen Handel. Er muß oft 1 bis 2 Thaler für den Tag geben,