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Dibre Emeth · 1871-01-01 · 3-4 (1871) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
27 (1871)
Issue
3-4 (1871)
Date
1871-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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38 mcht die Enden der Erde auch die Grenzen der Kirche geworden sein werden, so lange ist die Volksbekehrung Israels noch nicht zu erwarten; so lange wird es vielmehr so fort gehen wie es Paulus begonnen und wie die Apg. schließt, daß die Predigt des Heidenapostels von der freien Gnade Gottes in Christo, verkündigt von einer Kirche, welcher zwar die Hände gebunden sind und welche unter staatliche Aufsicht gestellt ist, welche aber doch das Wort ihres Mundes frei hat, durch die Welt der Heiden hindurch geht, in der Periode des römischen Weltreichs. Diese Aussicht, vor deren Kühnheit die Gedanken des Apostels nicht zurückschreckten, sollten wir nicht für so abenteuerlich oder unabsehbar halten, wie es Viele thun mögen. Zwar wird jenes Ziel schwerlich durch die Thätigkeit der Mission allein erreicht werden. Wenigstens müßte diese ein ganz anderes Leben und Gestalt gewinnen, müßte es vor Allem mit der Kirche der Heimath ganz anders werden. Aber Jesus sitzt zur Rechten des Vaters auf dem Weltthron; so ist also die göttliche Weltregierung in seinen Dienst gestellt. Die geschichtlichen Verhältnisse, die politischen Constellationen werden jenes Ziel herbeiführen helfen. Es darf z. B. nur dahin kommen, daß sich-Rußland und England in den Besitz Asiens theilen, so wird auch die Herrschaft des Christenthums in diesem Erdtheil die unausbleibliche Folge sein. Mehr und mehr wird die ganze Erde in den Kreis des Völkerverkehrs hineingezogen. Da halten auch die heidnischen Religionen nicht auf die 'Dauer Stand. Wie jene Hoffnung sich erfüllen werde, wußte der Apostel nicht; daß sie es werde, war ihm gewiß. Uns ist es vergönnt, die geschichtliche Möglichkeit und die Wege der Erfüllung mit Augen zu sehen. Warum sollten wir weniger Glauben an jenes Ziel haben als er? Diese Hoffnung aber ist nicht ein Ruhekissen der Trägheit und eine Beruhigüng des trägen Knechts, der den Herrn so bald nicht glaubt erwarten zu müssen. Vielmehr ist die Größe des Ziels der schärfste Sporn angestrengtester Arbeit. Nicht bloß einzelne wenige Seelen zu erretten gilt es, sondern die Völker christlich zu machen. Es kann nicht Ruhe werden, Bis seine Liebe siegt, .. Bis dieser Kreis der Erden Zu seinen Füßen liegt.

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