Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 1-2 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2554541-2554789-2554791--05511-2561470- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
30 1547 ward sie in ihr Gegentheil umgeändert. In dieser Umänderung entspricht sie allerdings auch bester der allmählich veränderten Sinnesweise Luthers. Nach 1523 in seiner Schrift, daß Jesus Christus ein geborncr Jude sei, will er die Juden freundlich belehrt wissen und anerkennt ihre heilsgeschichtliche Prärogative. Im Briefe an den bekehrten Juden Bernhard hofft er eine größere Bekehrung der Juden von dem neuen Lichte des Evangeliums; 1537 in dem Briefe an den Juden Jeßla zu Rosheim führt er aus, wie doch die Juden sowohl dieß, daß die Heiden an einen gehenkten Juden glauben, als auch ihr eigenes Elend bewegen sollte. Aber schon 1538, als er von einem Rückfall von Christen in das Judenthum vernommen, meint er in seinem Brief an die Sabbater, daß gegen die Juden mit der Schrift nichts ausgerichtet werde. Die Schrift aber 1543 „von den Juden und ihren Lügen" ist voll Zorns: man sollte ihre Synagogen verbrennen u. s. w. Und in der Schrift vom Schemhamphoras aus demselben Jahr erklärt er, das Judenherz sei so stock-, stein-, eisen- und teufelshart, daß es auf keinerlei Art könne bewegt werden. Aus Röm. 11 folge die endliche Bekehrung der Juden keineswegs. Paulus meine etwas ganz anderes. — Welches dieß sei, sagt er nicht. Dieselbe Stimme spricht sich in der Vermahnung aus, welche den Anfang zu seiner letzten Eislebener Predigt 1546 bildet: die Juden sollen sich entweder bekehren, oder man soll sie nicht dulden. Man sieht: am Anfang ließ sich Luther vom Schriftwort bestimmen, später von den Erfahrungen, die er machte. Da sucht er denn mit dem Schriftwort zurechtzukommen, so gut es gehen will. Mit Luther stimmte Bugenhagen und später auch Brenz, während Melanchthon meint, es würden allmählich Etliche sich bekehren bis zum Ende der Welt; übrigens sei das Mysterium Gott zu überlassen. Die Schwierigkeit, welche das Wort „ganz Israel" bot, löste man entweder durch die Deutung Israels von den Gläubigen (aus Heiden und Juden), wie die Weimarer Paraphrasten und PappuS , oder so, daß man aus ganz Israel: Etliche aus ihnen machte, wie Hülsemann, Weller, Dannhauer, Calov u. A. Man steht: man will dem Wort sich nicht beugen. Da war es noch