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Dibre Emeth · 1871-01-01 · 1-2 (1871) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
27 (1871)
Issue
1-2 (1871)
Date
1871-01-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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23 liche hat einen „Dibbuk" in sich. Ein Dibbuk ist ein böser Geist, und den kann nur der Rebbe auökreiben. Glaubt mirs, in jenen Kreisen herrscht der böse Geist, und der Rebbe, der ihn durch Erorcismus zu bannen unternimmt, weiß es am besten. Ich kenne sogar einen Fall, wo der böse Geist einen Bräutigam in einen Ochsen verwandelte, und wär's nicht glücklicher Weise an einem Freitagabend gewesen, wer weiß, ob er nicht geschlachtet und verspeist worden wäre. An einem Freitag Nachmittag (die meisten Trauungen in Polen sind, wenigstens in jenen Kreisen, am Freitag) war das junge Paar getraut worden, und Abends waren die Gäste in fröhlicher Laune beisammen. Plötzlich war der Bräutigam verschwunden — mit Zurücklassung der Braut. Bekanntlich sind die bösen Geister gewaltig hinter den Bräutigamen her. Ein bösartiger Spötter würde vielleicht sagen, die neidischen Gefährtinnen seien die bösen Geister, welche der erwählten Braut ihr Glück mißgönnen. Die Hochzeitsgäste aber wissen's besser. Sie gehen aus, den Bräutigam zu suchen und finden — einen Ochsen in der Straße. Der Ochse brüllt gewaltig beim Herannahen der lärmenden Menge. Ein Beweis mehr, wenn es noch eines solchen bedürfte, daß der Ochse kein anderer, als der verwunschene Bräutigam ist, der sich nach Erlösung sehnt. Man prügelt ihn, um den bösen Geist ihm auszutreiben und dem jungen Manne wieder zu feiner menschlichen Existenz zu verhelfen. Der Ochse schlägt um sich — wollt ihr noch klarere Beweise von der Existenz des Dibbuk? Ja sogar, er reißt sich los und rennt wie ein Rasender davon. Unglücklicher Bräutigam! Am Ende stürzen alle drei, Ochs, Dibbuk und Bräutigam in den nahen Fluß. Was ist zu thun? Man weckt den Rebben. „Er-soll-leben" befiehlt, trotz des Sabbats, mit Laternen auszugehen, um an den steilen Flußufern den Ochsen aufzusuchen. Die Aufregung steigert sich in dem Städtchen beim Anblick des eigenthümlichen Fackelzuges und dem Toben der Verzweifelten. Endlich blickt ein halber Epikoros (Ungläubiger) in seiner Nachtkappe zum Fenster hinaus und erfährt auf seine Anftage die Ursache des Lärms. „Wart ihr denn auch schon," frägt er weiter

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