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Dibre Emeth · 1871-01-01 · 1-2 (1871) · page 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
27 (1871)
Issue
1-2 (1871)
Date
1871-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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Weib mag sehen, wie'S sich durchschlägt, und du kehrst, so du hungrig bist, bei einem reichen Bruder ein, setzest dich an seinen Tisch und issest von seinem Mahle, denn das ist Chassidimrecht. „Mein ist dein und dein ist mein, das ist des Chassid Art." Ein Ehassid ist nie verlassen, er findet stets bereite Helfer in der Noth, stets, wenn er ein Geschäft betreibt, offenen Credit, wenn er eine heirathsfähige Tochter hat, eine gute Partie, wenn er Halbweges gelehrt ist, eine Anstellung als Rabbiner, Lehrer oder schlimmsten Falls als Schochet. Die Brüder gehören ihm und er den Brüdern, und allesammt gehören fie dem Rebben. Und wie wunderthätig ist dieser Rebbe! Einem Weinhändler ist ein Unglück pasfirt, ein Faß theuren Ungarweines ist ihm durch Berührung eines Goj (Christen) ungenießbar geworden. Der Rebbe wird per cliance vorgeführt, sein Schubez (Rock) streift das Faß, und merkwürdig! der Wein ist wieder koscher wie zuvor. Was sind alle unsere amerikanischen Patentmedicinen, was selbst der auf allen Felsenspitzen angepriesene „Buchu" gegen die Ueberreste von des Rebben Kidduschwein! Frauen, die sich nach Leibesfrucht sehnen, Männer, deren Gesundheit oder Geschäft im Sinken ist, — wen irgend ein Lech drückt, er komme, bezahle gut und trinke von dem Weine, und, es ist sicher, es Hilst dem — Rebben. Schwindsucht, Leberleiben, Scharlach, Rervenfieber, alle elementaren Feinde der Menschheit, die häßlichen Blattern nicht ausgenommen, fliehen vor diesem edlen Tranke. Und wenn der Rebbe zu einem Festmahle geladen ist, so ißt er wenig und läßt viel auf dem Teller liegen, gleichwie in den Tagen der Speiseopfer nur eine Handvoll auf den Altar gelegt wurde, der größere Rest aber den Priestern gehörte. Der Rebbe steht auf, und über seinen Teller fallen die chassidischen Priester her; mit bloßen Händen rafft ein Jeder auf, was er kann, denn wer wollte nicht von der geweihten Speise etwas in sich aufnehmen! Es hilft für gar viele Fälle. Seht ihr den Besessenen dort, wie er tobt und rast? Die ungläubigen Aerzte mögen immerhin, um Geld zu erpressen, behaupten, das sei ein» Geisteskrankheit; glaubt ihnen nicht, der Unglück-

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