Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 1-2 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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15 Und die Frage der Religion ist auf die allereinfachste Weise gelöst; man beseitigt sie völlig und nennt gerade das „die Religion." AuS Veranlassung der oben erwähnten Unitarierconvention hatte nun eine amerikanische christliche Zeitschrift den Satz aufgestellt, daß zwischen den Unitariern und den heutigen Reformjuden, die bekanntlich, trotz aller Ablehnung oder Verschleierung des Namens ihrerseits, die überwältigende Mehrzahl der Juden in den Kulturländern bilden, sehr wenig Unterschied sei. Ein Rabbi, vr. Mayer, antwortete darauf dem christlichen Blatte und wir theilen nach „der lutherischen Zeitschrift von P. Brobst aus Allentown" aus diesem Schreiben Folgendes mit: „Die heutige jüdische Reform kennt nur eine Gottheit und eine Menschheit, und sucht letztere zu ersterer zu erheben, ohne dieser zuzumuthen, sich zu jener herabzulaffen. Während also ihre Bestrebungen auf die Vereinigung des Menschengeschlechts mit dem Schöpfer gerichtet sind, fpeculirt sie so wenig wie möglich über das Wesen des Letzteren." P. Brobst fügt hinzu: Auf die Feststellung eines für Alle maßgebenden Gottesbegriffes wird demnach verzichtet, eS wird einem jeden Denker und Nichtdenker überlassen, seine eigene Vorstellung von dem ewigen Wesen zu haben. Die Bibel (das Alte Testament) betrachten diese Juden nicht als von Gott eingegeben, „sie ist uns aber von unendlichem Werthe wegen ihrer wunderbaren, schwungreichen und erhabenen Poesie, ihrer jüdischen Geschichte und ihres Alterö. Die ganze heutige Civilisation erhebt sich auf den zehn Grundartikeln der jüdischen Constitution. Die Nächstenliebe wird in der Bibel geboten als die Grundbedingung der moralischen Gesellschaft. Jehovah wird darin als der Vater der ganzen Menschheit, und der menschliche Tugendeifer als des Menschen heiliger Geist erklärt." Der Apostel PauluS wird ein radikaler Rrformjude genannt , der sich um das echte Judenthum und seine Erwartungen wenig kümmerte und mit dem Heidenthum eine Versöhnung anstrebte. »Die jüdische Reform verkündigt auch keinen zukünftigen Himmel der Vergeltung und der Ewigkeit, hat jedoch gegen den