Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 1-2 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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11 die Weissagung zu überbringen, welche Züchtigungen und Erlösungen verkündigen. Er ist der Zeuge Gottes vor dem Bolke. Er ist nicht durch priesterliche Abstammung aus dem Heiligthum hervorgegangen; er hat vielmehr einen unmittelbaren Beruf empfangen, bald auf den Stufen des Thrones, wie Zephanjah, bald unter den Hirten, wie Amos. Er wird erweckt in Israel, um das Ganze der Institutionen, welche in einer formellen Gesetzlichkeit leicht versteinern konnten, fortwährend zu beleben. Er repräsentirt den den Buchstaben immer wieder belebenden Geist. Er ist das lebendige Wort des Ewigen, welches gegen alle Abwege der Theokratie protestirt. Der Prophet ist, ebensowohl der Vertreter des Gesetzes als der Barmherzigkeit; so vereinigt er in einer Person das doppelte Amt des Alten Bundes, welches zugleich Schrecken und Hoffnung ist und den Trost nur aus der Angst des Gewissens hervorgehn läßt. Die vom Propheten ausgelegte Geschichte seines Volks stellt daS Verderben der Sünde, den Zorn Gottes und sein Erbarmen in ihr volles Licht. Die Prophetie steht dem Priesterthum nicht entgegen; allein ste läßt den Mangel dieses strengen Wächters der mosaischen Institutionen ahnen. Wenn Hosea ruft: „Gott will nicht Opfer, sondern Barmherzigkeit!" so spricht er nur aus, was zuvor daS bußfertige Herz bezeugte. „ Du hast keine Lust am Opfer," ruft David in dem Schmerze seiner Reue, „ich wollte dir'S sonst wohl geben; Brandopfer gefallen dir nicht. Die Opfer, die Gott gefallen, find ein geängsteter Geist. Ein geängstetes und zerschlagenes Herz wirst du Gott nicht verachten." .Gewiß war das Werk der Vorbereitung weit vorgerückt, als das Zeugniß des Gewissens die Offenbarung des Gesetzes und der Weissagung durch diese herzzerreißende Klage bestätigte, welche heute noch dem Gefühle der Sünde den wahrsten Ausdruck giebt: „ Gott sei mir gnädig nach deiner Güte und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich wohl von meiner Miffethat und reinige mich von meiner Sünde, denn ich erkenne meine Miffethat und meine Sünde ist immerdar vor mir. An dir allein habe ich gesündigt. Wasche mich, daß ich schneeweiß werde."