Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 1-2 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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IS Wir haben es versucht, den allgemeinen Hauptgedanken des Alten Testamentes anzudeuten. Der Fall und die Verbrechen der Gründer oder der berühmtesten Repräsentanten der Theokratie werden uns ohne kluges Schweigen erzählt: allein wir sehen auch ihre Züchtigungen und sind Zeugen ihrer tiefen Reue. Da finden wir einen erschreckenden und heilsamen Beweis der Sünde. Furchtbare Strenge war zur Erweckung des eingeschlafenen sittlichen Sinnes nöthig. Man vergegenwärtige sich diese rohe Kindheit eines dem Sturme der Naturtriebe überlassenen Geschlechtes, und man wird die Ruthe, womit der göttliche Erzieher es züchtigte, besser begreifen. Das Alte Testament ist nicht eine Idylle der Unschuld, sondern der erbitterte Krieg zwischen dem Guten und Bösen in seinem ersten Zusammenstoß. Der gänzliche Sturz aller theokratischen Herrlichkeit war alsdann die letzte Stufe in dem Vorbereitungswerk; er zeigte aber nach dem Ausdruck des Hebräerbriefcs, daß das Alte Testament nichts vollkommen machen konnte (Hebr. 7, 19). Das Vorbereitungswerk hatte bei den Heiden aus allen Religionen und Philosophien ein großes Ideal hervorgehn lassen, welches durch bloß menschliche Kraft nicht verwirklicht werden kann. Ebenso aber ist es im Judenthum. Hier ist mehr als eine bloße Sehnsucht, hier ist eine glorreiche Verheißung, ein heiliges Vermächtniß der Väter. Der wirkliche Verfall des Judcnthums beweist, daß sie in seinem Gebiete keine Erfüllung finden wird. Alle die, welche sich bemühen, das Ideal innerhalb der Grenzen des Judenthums zu verwirklichen, entstellen es nur auf jammervolle Weise. Auch seufzen die aufrichtigen und frommen Herzen der Juden in jener Zeit unter der fortdauernden Finsterniß nach einer großen göttlichen Offenbarung. So bieten sie für Jesum den Berührungspunkt, ohne welchen es zwischen ihm und dem Geschlecht, welches er vertreten soll, kein sittliches Band geben würde." Bis dahin Pressen^. Zu seinen Ausführungen - können sich alle christlichen Confesstonen und Kirchen bekennen Sie zeigenwaS das Herz des Wen Testaments ist: Die Gnade Gotteöwelche die sündlichen Menschen in ihrer Sünde und unter dem