Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 1-2 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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9 sie immer bestimmter. Bald erwartet man nicht bloß eine große Erlösung, sondern einen Erlöser. Die Hoffnung des Messias ist gerade die Seele des Alten Testaments. Wenn beim Wehen des Frühlings der Karmel in Pracht sich kleidet, wenn die Berge und Hügel frohlocken in ihrem strahlenden Schmuck, wenn die Tanne und die Myrthe ihre Düfte ausströmen, wenn die Quellen auf den wiedergrünenden Fluren Fruchtbarkeit verbreiten: dann stellt sich der fromme Israelit bei solchem Schauspiel, dessen Schönheit nur der empfindet, der da weiß, welcher traurigen Dürre es folgt, die neue Erde vor, auf welcher Gerechtigkeit wohnen wird nach der großen vom Messias bewirkten Erneuerung (Jes. 55, 12. 13.) Aber die Geschichte hat einen helleren Schein, um die Zukunft zu erleuchten. Jede ihrer Perioden liefert ein neues Symbol zur Darstellung des göttlichen Befreiers. In der ältesten Weissagung heißt er der Sohn des Weibes und der wird die Macht des Bösen vernichten (1. Mos. 3, 15). In der Patriarchenzeit erwartet man ein Kind Abrahams, welches allen Völkern der Erde die Befreiung bringen soll (1. Mos. 12, 3). Nach Moses erscheint er als ein Prophet, ähnlich dem mächtigen Gesetzgeber Israels (5. Mos. 18, 18). Zur Zeit der Könige ist der Messias gleichsam der König der Zukunft, der ideelle Davids auf ihn wendet man in besonderem Sinne alle glorreichen und leidenden Züge an, woran die Psalmen des königlichen Propheten voll sind; denn in der Theokratie ist jede Begebenheit, jeder Schmerz oder Triumph nur Anfang und Vorbereitung der Endzeit. Alles geht in dem göttlichen Buche auf den Messias hin, ohne daß es nöthig wäre anzunehmen, daß die Seele des Propheten ohne Vermittelung von seinen eigenen Gedanken zu einer objektiven Weissagung überginge. Nein, David hat wohl seine Freude und seine Trübsal gesungen, und doch hat er zum Voraus von dem geheimnißvollen Nachkommen geredet, welcher in seiner Vollkommenheit allein den Typus des Menschen Gottes verwirklichen sollte. In der Periode, welche der vollen Entwickelung der Theokratie unter einem Scepter folgt, einer bewegten Zeit, in welcher