Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 1-2 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 fertigen, sondern fortschreitenden Offenbarung, welche der Zeit, der Unwissenheit, der Schwachheit des Volks entsprach, das sie sich aneignen sollte, um ihr Wächter zu sein. Wir finden also im Judenthum in geläuterter und vergeistigter Gestalt die wahre Religion der Vorbereitungszeit, von welcher wir anderswo die Anfänge gefunden haben. Die allgemeine Einwirkung Gottes auf die Menschheit concentrirt sich auf eine bevorzugte Nation; allein diese Concentration selbst ist zum Vortheil der übrigen Nationen, welche auf dem Wege der freien Erfahrungen und vielfältigen Euchens zu demselben Ziele kommen sollten, wohin das auserwählte Volk unter dem Einfluß einer mehr unmittelbaren Erziehung gelangt ist. Die Wahl Israels muß auf erfolgreiche Weise dazu beitragen, das Verlangen nach dem Heile zu entwickeln, welches die beste Vorbereitung auf das Heil selbst ist. Israel ist ja der Priester der Menschheit in der Vorbereitungszeit. Es ist durch eine tiefe Kluft von allen Völkern seiner Umgebung gesondert eingeschlossen in dem Lande der Verheißung wie in einem Heiligthum, geschützt gegen alle profane Vermischung, mehr noch durch die strengen Verbote seines Gesetzes, als durch die hohe Schranke der Berge, welche es einschließen oder , durch die ungastlichen Gestade seiner Küsten. Und doch weiß das Volk, daß alle Völker der Erde in seinen Nachkommen gesegnet werden sollen, und dieser große Gedanke ist sein Priesterthum. Die mosaischen Institutionen. Das Gesetz. Das Priesterthum Israels ist das absolute Geweihtsein für den heiligen Gott. Das Haupt des Volkes wurde durch einen geheimnißvollen und unbedingten Befehl seiner Familie entrissen; es wandert wie ein Pilger ohne Vaterland mitten unter den Menschen, ein Diener des Allmächtigen, sein Haupt erhebend oder senkend auf ein Zeichen seines Willens. Der Aufenthalt in Aegypten hat wegen der schrecklichen Verfolgung der Pharaonen für die Nachkommen Abrahams keine profane Vermischung herbeige-