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Dibre Emeth · 1871-01-01 · 1-2 (1871) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
27 (1871)
Issue
1-2 (1871)
Date
1871-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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5 Ahnung einer vollkommenen Genugrhuung kommt. Endlich finden wir hier statt unbestimmter Ahnungen eine feste Hoffnung, welche die Zukunft mit steigendem Lichte verklärt. Göttlicher Ursprung des Alten Testamentes. Woher kommt diese Ueberlegenheit der Religion des Alten Testamentes? Durch feine Jfolirtbeit erhebt stch das Judenthum in der alten Welt wie ein einsamer, steiler Gipfel, während das Evangelium seine Herrschaft über die moderne Menschheit auSdehnt, weit über die Grenze hinaus, wo das positive Gesetz aufhört; denn es hat die sittliche Atmosphäre, die wir athmen, mit seinem Einflüsse durchdrungen. Hat der Semit auf dem nackten Sande der Wüste, wo er zuerst sein Zelt aufschlug, den Namen seines einigen und heiligen Gottes gelesen? Nein, die Wüste ist ein weißes Blatt, worauf die Seele schreibt, waö sie in sich trägt; aus stch selbst offenbart sie dem Menschen nichts, sie drückt ihn vielmehr zu Boden durch ihre trübe, vage Unermeßlichkeit, woraus man nie den Begriff eines persönlichen Wesens, d. h. eines lebendigen, freien Unendlichen entnehmen wird. Wenn man sich auf den Genius des Volks beruft, so fragen wir, wie der Hebräer mit seinem Geist ohne Geschmeidigkeit und philosophischen Schwung von seinem ersten Beginne an Plato und Aristoteles und die tiefsinnigen Träumer Indiens übertreffen konnte. Außerdem ist seine fortwährende Neigung zum Götzendienst gerade zur Zeit der Gestaltung seiner Religion eine feststehende Thatsache, wenn irgend eine; nur durch Zwang wird er im Monotheismus erhalten; durch harte Züchtigungen muß er immer wieder zu diesem zurückgebracht werden. Sobald er seiner Neigung folgt, betet er Baal an, und von zwölf Stämmen gehn zehn schließlich zu einem milderen Heidenthum über. Wenn also seine Religion weder aus dem Boden hervorgeht, auf dem er wohnt, noch aus dem Blute, welches in seinen Adern fließt, so muß sie wohl vom Himmel herabgekommen sein; wir erkennen darin das Siegel einer nicht sogleich

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