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Dibre Emeth · 1871-01-01 · 1-2 (1871) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
27 (1871)
Issue
1-2 (1871)
Date
1871-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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4 durch die freie Schöpfung. Gott ist nicht die Sonne, denn er hat sie gemacht. Er ist das absolute, freie, unbeschränkt weise Wesen. Gott sprach zu Mose: ich bin, der ich bin. Und dieser Ewige ist der Gott der Väter; er ist selbst der Vater, welcher züchtigt und schützt. Das ganze Alte Testament strahlt von seinem Ruhm, wie das Heiligthum, worin ihn Jesaias in seiner Vision schaut. Die Bibel offenbart uns nicht bloß den einzigen, unumschränkten Gott, sondern auch den Gott des Gewissens, ihn, dessen Augen zu rein sind, als daß er das Böse sehen könnte, und der doch langsam ist zum Zorn. Die Heiligkeit. Von der Idee Gottes hängt der Begriff der Sünde und der Reinigung ab. Die Regungen des Gewissens wurden außer dem Judenthume fortwährend durch den heidnischen Aberglauben entstellt. Die Naturreligionen identificiren das sittliche Uebel mit dem physischen, oder sie verwechseln es, wie im äußersten Orient, mit dem endlichen Dasein selbst, so sehr, daß die Reinigung nur noch ein magisches Verfahren zur Besänftigung der Verderben bringenden Gewalt, oder eine zur Vernichtung unserer Individualität bestimmte zügellose Askese ist. Griechenland kannte trotz seiner schönen Lichtblicke und seiner wunderbaren Anschauungen weder die genügende Reue noch den rechten Trost. Das Ideal des frommen Israeliten im Alten Testamente übertrifft bei Weitem die besten heidnischen Bestrebungen. Das göttliche Gesetz ist seine absolute Regel, sein beständiges Ziel, aber auch seine Qual, weil es das Maaß angibt, wie weit er von ihm noch entfernt ist. Er lebt vor dem Angesicht deö gerechten Gottes, unter der Drohung seiner Gerichte, aber ganz durchdrungen von einer Dankbarkeit, welche den empfangenen Wohlthaten nie gleich kommen wird. So gestaltet sich und erstarkt ein tief ernstes sittliches Leben. Groß ist dieses vornehmlich durch seine Leiden und sein heißes Verlangen nach Reinigung, das eine immer unvollkommene Befriedigung in den Opfern findet, durch welche das Gewissen zur

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