Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 1-2 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Roth herabruft. Daher in allen Zeiten und allen Culturen der allen Well, trotz des Uebermaßes des Bösen und der gewalsamen Zerstörung deS irdischen Lebens, das allgemeine Reden des menschlichen Herzens, der Schrei des Schmerzes und der Angst und die Worte der Hoffnung. Daher die allgemeine Einrichtung des Priesterthums und des Opfers, welche zeigt, daß die Menschheit im Ganzen sich fern von Gott fühlt und unwürdig sich ihm zu nahen, aber die Hoffnung einer Vermittelung hegt. Das Priesterlhum ist der allgemeinste und kräftigste Ausdruck des Verlangens nach dem Heil; denn es bedeutet Beides zugleich: das natürliche Fernsein des Menschen von der Gottheit und die Ahnung einer zukünftigen Versöhnung. Nun ist aber das ganze Judenthum ein Priesterthum, weil es keine einzige seiner Institutionen giebt, welche nicht auf der Scheidung des auserwählten Volks von der übrigen Menschheit zum Segen für das ganze Geschlecht beruht. So ist das Judenthum nichts anderes als die allgemeine Religion der Vorbereitungszeit; nur ist ein solcher Unterschied der Form, welche diese allgemeine Religion in den heiligen Büchern der Juden angenommen hat, und der entarteten Gestaltungen, unter denen sie uns anderswo erscheint, daß es uns unmöglich ist, diese Ueberlegenheit einer bloß historischen und natürlichen Entwickelung zuzuschreiben. Die Gottesidee in Israel. Man weiß, was in den Naturreligionen, selbst den am Mindesten rohen, aus dem Gottesbegriff wurde. Dem griechischen Humanismus gelingt es nicht, ihn aus den Schranken des Endlichen loszumachen; er zieht ihn in den verworrenen und von den menschlichen Leidenschaften befleckten Streit, und wenn die Philosophie ihn frei zu machen versucht, dann macht sie ihn zu einer leblosen, abstrakten Idee. Welch eine unermeßliche Kluft zwischen dem Jehovah der Bibel und dem Indra der Vedas, dem Jupiter der Jliade oder dem Gott des Pindar oder Plato. Mit den ersten Worten schon erobert die Schrift die Welt des Geistes