Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 1-2 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 denen erwägen mögen. Es sollen aber nur kurze Auszüge aus dem oben erwähnten Buche gegeben werden, und wiederum nicht ein allgemeiner Ueberblick über den ganzen Inhalt desselben, sondern vornehmlich nur einige zusammenhängende Mittheilungen aus dem Abschnitte, welcher die Ueberschrist führt; Die Religion des Alten Testamentes. „Ein seltsames Volk erschien gerade im Mittelpunkt der alten Welt, durch eine tiefe Kluft von seiner ganzen Umgebung geschieden, einsam und doch mit dem Bewußtsein einer universellen Mission, ein eifersüchtiger Wächter seiner religiösen Ueberlieferungen und doch ganz und gar der Zukunft zugewandt. Das ist das Volk Israel. Es hat weder den metaphysischen und glänzenden Geist Indiens, noch die künstlerische Fruchtbarkeit Griechenlands, noch die Eroberungssucht Roms; es ist rauh, hartnäckig; es wird ein Gegenstand des Tadels, sobald die übrigen Nationen es kennen lernen. Und doch gebührt ihm im Gebiete der Religion der Vorrang, den Griechenland im Gebiete der Kunst und Rom im Gebiete der Gewalt hatten. Es hat die Menschheit, deren Schmach es war, überwunden, und alle Götzen von Marmor und Gold, das ganze anmuthige, poetische Heidenthum, welches unter den begünstigten Völkern geblüht hatte, vor seinem gewaltigen, unsichtbaren Gott zu Boden geworfen. Der Jude ist weder Soldat, noch Dichter, noch Philosoph; er ist Priester und Prophet. Das ist seine Rolle in der alten Welt, deßhalb, weil Israel vorzugsweise das vorlaufende Volk ist, welches dem Erlöser den Weg bereitet. Ohne Zweifel findet man auch anderswo diese Mischung von Furcht und Hoffnung, welche die Religion vor Christus charakterisirt, als sie weit mehr ein Sehnen und Suchen als eine ruhige Gewißheit war. Das Werk der Vorbereitung besteht gerade darin, dieses Sehnen zu entzünden, es bis dahin zu bringen, daß eS ein heißes, inbrünstiges Gebet wird, welches nicht eine göttliche Hilfe, sondern Gott selbst zur Hilfe in der größten