Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 12 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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333 das Judenthum als Beweis des Christenthums. Wien 1866. Früher hat er auch an jener Gesellschaft von Sion mitgearbeitet. Als Hauptfrüchte von Sion aber nennt dieser Proselyt „mit Stolz" die Zwillings - und Priesterbrüder Lemann aus Lyon (Joseph und August). Ihr ganzes Streben geht in der Liebe zu Israel auf. Diese sind, wie sie von sich selbst sagen, gleich dem ewigen Juden, dem personificirten Volk Israel, als Repräsentanten ihres geliebten Volkes umher gewandert und haben die in Rom versammelten Bischöfe gebeten, doch das oberhirtliche Herz auch für Israel schlagen zu laffen. Demzufolge haben 506 Bischöfe dem Concil ein Postulatum vorgelegt, welches bittet, auch mit dem Volke Israel sich zu beschäftigen, damit, wenn Israel in die Kirche komme, der Plan der göttlichen Heilsökonomie erfüllt werde. Leider, so sagt der Berichterstatter, sind die beiden Priester Lsmann sehr schwächlicher Natur und können nicht einmal das Klima von Paris ertragen. Unter den Laien, welche Kinder von Sion sind, befinden sich mehrere tüchtige und ernstgläubige Profefforen. Als ein Haupthinderniß gegen ein rascheres und erfolgreicheres Wirken für die Judenmission in seiner Kirche beklagt jener Proselyt die große Abneigung der katholischen Priester zum Missionsdienst an Israel. Er nennt einen Dominikaner- Prior, der selbst ein Proselyt ist, aber so maßlos gegen sein eigenes Volk eingenommen, daß er fast nur Sonnabends die Eisenbahn benützt, um den Juden möglichst aus dem Wege zu gehn. Dagegen erzählt er aber auch von einem polnischen Proselyten, einem Arzt, der in Paris Medicin studirte und alsdann in seine Heimath zurückkehrte, um geistig und leiblich seinem Volke zu dienen. Der uns berichtende Proselyt hat ein wahrhaft warmes Herz für die Seinigen. Er kennt den Einfluß der Priester in seiner Kirche und hat sich darum besonders an sie gewandt, damit durch ihren Dienst die große Menge der katholischen Christenheit eine andere Stellung zu den Juden einnehmen lerne, und sie besonders zu bewegen gesucht, nicht ferner durch ihre Predigten von der Kanzel die Gemüther gegen die Juden zu erregen, sondern sich ihrer in Liebe anzunehmen. Damit sein Zweck erreicht werde, wünscht er Belehrung der angehenden Priester in den Seminarien über die Stellung, welche sie zu den Juden ihrer Gemeinden einzunehmen hätten, und ferner, daß man den christlichen Theologen für den Juden möglichst zugänglich mache; aber er setzt freilich hinzu, daß man seinen eigenen lebendigen Verkehr mit den Juden oft nicht gern gesehn habe. Von den Professoren der Universität verlangt er, daß sie geradeswegs in der Pastoraltheologie ein eigenes Capitel „dem Verhältnisse zu den Juden" widmen mögen. Außerdem fordert er eine weitere und eingehendere Beschäftigung der Studirenden mit dem Hebräischen, das recht vernachlässigt würde. Gerade aus Unkenntniß des Hebräischen gerathe der katholische Priester oft dem Juden gegenüber in Verlegenheit,