Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 12 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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214 und Allem, was dieses dem Propheten sagen würde, zu gehorchen; er weist Samuel an das zu thun, was er auf das bloße Verlangen des Volkes hin ohne Auftrag Gottes nicht thun wollte und thun durfte; hinsichtlich des Ansinnens jedoch, welches eben von Seiten des Volkes ausgesprochen ist, stellt Gott fest, daß eben dasselbe in der That nichts anderes als Empörung gegen den göttlichen Oberherrn war; denn Gott selbst spricht: „sie haben nicht dich verschmäht, sondern mich haben sie verschmäht, über sie König zu sein." Dem Volke war der Glaube an das rechte und richtige Walten seines unsichtbaren Königs abhanden gekommen; die selbstverschuldete Noch der Philisterzeit hatte es nicht zur Buße gebracht, nicht zur rechten Treue gegen seinen König Jehovah, sondern zu der thörichten Hoffnung, daß ein sichtbarer König, wie ihn alle Heiden ringsum hatten, die Hilfe bringen müßte. Es ist also ein ganz verkehrter Kunstgriff, wenn man jüdischerseits die Sache heute so darstellt, als ob die Sünde Israels in seiner Verwerfung der Republik und in seiner Bevorzugung des Königthums bestanden habe; Israel war niemals eine Republik, sondern die allerauSgebilveteste Theokratie, Gott in demselben die alle Macht in sich zusammen fassende Obrigkeit. Wie Jehovah das Staatsleben Israels ordnete, das war seine Sache; wenn er das Königthum für dasselbe bestimmte, dann war dasselbe auch die rechte Staatsform; Israel selbst aber harte in dieser Beziehung nichts zu begehren, sondern nur anzunehmen; andernsfalls stellte es irgend einen Menschen oder eine menschliche Orlmung über Jehovah und ward mithin von ihm abtrünnig. Er selbst hatte sich allerdings Vorbehalten, auch wohl einmal in Israel Könige einzusetzen; schon im Gesetze Mosis gibt er Bestimmungen, welche für diesen Fall in Anwendung kommen sollen; aber er selbst konnte allein den Zeitpunkt angeben, wo die Einsetzung eines Königes für das Volk heilsam sein würde. Als Israel mit seinen Wünschen vorgreist, macht es daher auch die schlimmen Erfahrungen mit Saul; als dagegen Gott selbst aus eigenem Antriebe sich den David erwählt, gereicht es Israel zum Segen; den empörerisch gesinnten 10 Stämmen aber gibt er Könige zur Züchtigung.