Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1870-01-01 · 12 (1870) · page 31

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
26 (1870)
Issue
12 (1870)
Date
1870-01-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2554541-2554781-2554788--05459-2561417
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

207 Art das Zahlwort „wenig" zu gebrauchen. Die Juden würden gewiß mit höchster sittlicher Entrüstung darauf antworten, wenn man ihre Ausschließung aus der Gemeinschaft der Uebrigen mit ihrer geringen Zahl rechtfertigen wollte. Und ob dort die wenigen Canaaniter oder hier die wenigen Juden eine solche Ausschließung erfahren, das macht in der That keinen Unterschied. Findet man also jüdischerseits kein besseres Verständniß für den MosaismuS als bisher, so wird man in dem dortigen Lager kein Mittel haben, um denjenigen eine sittlich gerechtfertigte Antwort zu geben, welche erklären: habt ihr Juden zuerst im Namen eurer Religion diesen und jenen ausgeschlossen, so schließen wir Andern Euch nunmehr auS! Ueberdem verhält es sich mit den sogenannten „wenigen Ausnahmen," welche das mosaische Gesetz ftatuirte, sehr eigenthümlich. Versichern die modernen Juden, es waren nur kleine und unbedeutende Völker, die theilweise vernichtet, theilweise von der Aufnahme ausgeschlossen wurden, so muß dagegen erinnert werden, daß jene Hethiter, Girgositer, Amoriter, Canaaniter, Pherestter, Heviter und Jebustter eben die ganze Bevölkerung des Landes auöniachten, welches nun die Israeliten einnahmen, und daß die Gesammtzahl dieser Ureinwohner Canaans mithin ungefähr der neu einwandernden israelitischen Bevölkerung gleich gekommen sein wird. Alle diese Tausende und aber Tausende sollten mit der Schärfe des Schwertes vertilgt werden, und das nennen diese Theologen „wenige und unbedeutende Ausnahmen;" dieselben Leute aber sprechen von Strömen vergossenen Blutes, wenn sie der Judenverfolgungen des Mittelalters gedenken. Das ist keine sittliche Beweisführung. Wir, denen das. Alte Testament im Ernst die erste Grundlage der religiösen Wahrheit ist, kennen für die Ausrottung der altpalästinensischen Völkerschaften wohl eine Rechtfertigung; dieselbe beruht aber darin, daß jene Nationen nach dem Zeugnisse der mosaischen Schriften vor dem Angesichte Gottes zum Gericht völlig reif waren, und daß derselbe eben Israel zum Werkzeug seines Gerichtes erlesen hatte, obwohl er auch an Israel genug zu richten fand und nicht etwa Verdienst oder Würdigkeit dieses Volkes belohnen wollte. Nicht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.