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Dibre Emeth · 1870-01-01 · 12 (1870) · page 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
26 (1870)
Issue
12 (1870)
Date
1870-01-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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206 Beachtet man dies, so wird man sich der herzlichen Fürsorge, welche das mosaische Gesetz für die Fremden geordnet hat, freuen; man wird aber auch aus diesem Gesichtspunkte erkennen, daß alle die Härten schwinden, welche unabänderlich bleiben müssen, wenn man den Maßstab der neueren Constitutionen oder der heutigen Culturprincipien an die israelitische Verfassung legt. Gibt es keine verschiedenen Aufgaben der Völker mehr, sind sie nicht mehr verschiedene Glieder eines Leibes, sondern gewissermaßen nur unlebendige Theile eines Mechanismus, dann haben natürlich die Gesetzgebungen kein Recht, die Stellung der Nationen untereinander verschieden zu ordnen, und das Leben innerhalb der eigenen Nation anders als nach einer ganz regelmäßigen Schablone zu gestalten. Der Mosaismus ist durch und durch von dem Gedanken beherrscht, daß, mögen andere Nationen ihr Leben nach eigenem Ermessen regeln, im Lande Canaan Alles und Jedes dem einen Zwecke dienen soll, Hierselbst die Volksgemeinde Jehovahs als einen, vielgliedrigen Organismus aufzurichten. Dafür werden folgende Einzelheiten, welche die Stellung der Nichtjuden unter Israel betreffen, ein Beleg sein. Es war uns gesagt worden, daß mit wenigen Ausnahmen alle Fremden in Israel das Bürgerrecht erlangen konnten. Schon bei dieser Erklärung fällt es auf, daß doch von Ausnahmen die Rede ist; denn man wird immer entgegnen müssen, daß, wenn irgend eine Völkerschaft absolut von der Gemeinde des wahrhaftigen Gottes ausgeschlossen bleibt, das doch eine höchst bedenkliche Sache ist, und der Gott des Alten Bundes mit eben diesen Ausnahmen zum wirklichen Räthsel wird. Wer also das Neue Testament nicht gelten läßt, das uns die Gottesgemeinde des Alten Testamentes nur als ein Vorbild der wahrhaftigen, welche die ganze Menschheit ohne irgend welche Ausnahme umspannen will, darstellt, wird uns immer zwingen, den Gott Israels einen particularistischen Gott zu nennen, der vorzieht und zurückstellt und ausschließt, ohne ein Herz für Alle zu haben.. Am Allersorgfältigften sollte man sich hüten, in Sachen dieser

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