Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1870-01-01 · 12 (1870) · page 28

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
26 (1870)
Issue
12 (1870)
Date
1870-01-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2554541-2554781-2554788--05456-2561414
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

204 Nicht einmal erworbene Vorzüge habe der Mosaismus gekannt, hören wir aber endlich. Das versichern uns Leute, welche es sich haben angelegen sein lassen, den Titelvorzug von Doctoren der Philosophie zu erwerben und denselben auch stets bei ihrem Namen notiren. Im Uebrigen, man verzeihe das Wort, sind Behauptungen solcher Art eigentlich nur eine lächerliche Comödie. Wem anders hatten denn beispielsweise die Ofsiziere des israelitischen Heeres ihren Offiziersrang zu verdanken, als dem Umstande, daß sie eben ihren höheren Grad sich irgend wie erworben hatten. Und wie weiß doch sonst der Schreiber solcher Verkehrtheiten davon zu sprechen, daß die geeigneten d. h. also doch wohl durch irgend welche erworbene Tüchtigkeit ausgezeichneten Männer einflußreiche Stellungen unter ihren Mitbürgern einnehmen sollten. In der That, ein verständiger Mann sollte sich schämen, mit Behauptungen solcher Art seine Tendenzen zu verfechten. Ueberall, in jeder Gesellschaft, sie führe einen Namen, welchen sie wolle, treten Ungleichheiten auf Schritt und Tritt hervor. Nicht zwei Menschen sind gleich angelegt, nicht zwei geistig gleich begabt; der Eine erwirbt mehr Erdengürer als der Andere, der Eine Ansehn und Geltung vor Tausenden, die doch der Zahl nach ihm so unendlich überlegen sind. Und der Mosaismus, dieses für die Zeit der ihm bestimmten Herrschaft bewunderungswürdigste aller Volksgesetze, war am allerweitesten davon entfernt, die natürlichen Grundlagen umzukehren; sondern im Gegentheil ist es sein besonderer Vorzug, daß er die Ungleichheiten, welche er nirgends ausrottet, in der glücklichsten Weise zum gemeinsamen Besten untereinander verbindet. Der Mosaismus kennt einen Leib aus vielen Gliedern, den will er in einem gesunden Leben erhalten, aber das edle Auge heißt er nicht herniedersteigen und den Dienst eines Nagels am Finger versehn; er hat nicht etwa auf Phrasen und Stichworte gewartet, um alsdann eine Ordnung herzustellen, die alle Vorzüge sorgfältig verbannt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.