Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 12 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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199 den Baalspriestern entschied das Gottesurtheil des vom Himmel fallenden Feuers. Ebenso mußte sich das ganze Volk Israel in der Wüste versammeln und mit eigenen Augen ansehn, wie Gott zwischen der Rotte Korah und Aaron entschied, wie durch Gottes Intervention ein ganzes Geschlecht lebendig von der Erde verschlungen wurde. Oder man erinnere sich daran, wie Mirjam mit dem Aussatze bestraft ward, wie der Prophet im Namen Gottes dieselbe Krankheit über einen König Israel verhängte. Und was ist die Rache Gottes an dem Geschlechte der Gottlosen bis ins dritte und vierte Glied wohl anders, als das unmittelbare richterliche Eingreifen Gottes? was bedeuten die Heimsuchungen und Plagen, die über das Volk und die Einzelnen kommen, anders, als die Intervention Gottes zur Strafe der nicht gesühnten Sünden? Und hierbei haben wir noch abgesehn von den großen, wunderbaren Gerichten, welche ohne jedes menschliche Zuthun so oft im Alten Testamente an den Feinden Israels geschehen sind. Nein, Gott hatte sich in der Ausübung des Rechts uuter Israel an die menschliche Einsicht oder Gerechtigkeit nicht gebunden; das Gericht blieb sein. 4. Die Selbstständigkeit des Individuums im bürgerlichen Leben. Auch in der bürgerlichen Gesellschaft hat der Mosaismus keineswegs die modernen Grundsätze von der Selbstständigkeit des Individuums verwirklichen wollen. So ist es von vorn herein unwahr, daß alle Glieder des Volkes Israel einander gleich waren, und daß der Mosaismus weder Vorzüge der Geburt noch erworbene Vorzüge gekannt habe. Denn obwohl der Mosaismus forderte, den Nächsten wie sich selbst zu lieben, genossen nach den Bestimmungen desselben doch nicht einmal alle Glieder des Volkes die persönliche Freiheit. Ein Israelit durfte sich, was nach unseren Gesetzen doch nicht gestattet wäre, dem Anderen verkaufen, wenn auch zunächst nur für sechs Jahre. Hatte ihm jedoch sein Herr in dieser Zeit ein Weib gegeben>