Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 12 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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107 dieser Zeit, so wurde er ausgerottet, hatte also für eine scheinbar ganz geringfügige Sache den Tod zu erleiden. Ebenso streng war ihm die Sabbathfeier geboten; ausdrücklich wird berichtet, wie das Auflesen von Holz am Sabbathtage einmal mit dem Tode geahnt wurde, und das Recht der freien Person in Religionsangelegenheiten änderte an diesem Sachverhalt nicht das Mindeste. Das Neue Testament weist bekanntlich seiner Gemeinde in allen diesen oder ähnlichen Fällen eine andere Stellung an. Das neue Testament verbietet es gegen die seinen Forderungen Ungehorsamen mit bürgerlichen Strafen vorzugehn, und verlangt ausdrücklich das Schwert selbst da in der Scheide zu lassen, wo es sich um den höchsten Frevel gegen den Jesus handelt, der ihm doch Gott ist wie der Vater; denn Gott selbst und sein Sohn haben sich im Neuen Testamente das Gericht Vorbehalten. Dieser Unterschied zwischen beiden Testamenten beruht darin, daß die neutestamentliche Gemeinde Gottes nicht zugleich ein Staat, ein politisches Gemeinwesen sein will, wie es doch die altteftamentliche war. In Folge der falschen Uebertragung alttestamentlicher Verhältnisse auf das politische und bürgerliche Leben der Völker ist freilich in den Zeiten nach Christo noch lange eine Vermischung von Staat und Kirche feftgehalten worden; und eben daher stammt so vieler blutiger Hader innerhalb der Nationen. Was aber für Israel Recht war, ist es nicht für die Kirche, welche nun einmal nicht das vorbildliche Reich Gottes in den engen Grenzen einer Nation, sondern das Reich des heiligen Geistes in der ganzen Welt sein soll. 3. Die Selbstständigkeit des Menschen in der Ausübung des Gerichtes. Hat man mit höchsten Unglück die moderne Theorie der Freiheit für das Verhältniß zwischen Gott und Mensch im Mosaismus aufgestellt, so hat man auch keine glücklichere Wahl getroffen, als man dem Mosaismus dieselbe Theorie für das Verhältniß der Menschen unter einander andichtete.