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Dibre Emeth · 1870-01-01 · 12 (1870) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
26 (1870)
Issue
12 (1870)
Date
1870-01-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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191 Liebe zu Gott und dem Nächsten beruht, hat gerade darum mit der Selbstständigkeit des Individuums herzlich wenig zu thun. Der Mosaismus kennt von vorn herein gar nicht ein abstraktes menschliches Individuum, sondern nur das höchst concrete Volk Israel und die einzelnen Juden als Glieder desselben, daneben aber Aegypter, Hethiter, Edomiter, kurz verschiedenartige Fremde nach manchen Abstufungen. Von dem Organismus des Volkes geht er dann überall auS; der Einzelne kommt ihm als Glied eben dieses Organismus in Betracht. DaS sinaitische Gesetz nimmt durch mancherlei Bestimmungen auf Einzelne Rücksicht; denn ihm ist kein Glied des gemeinsamen Leibes gleichgültig, sondern eö sucht das Wohlsein Aller, der geringen sowohl als der bedeutenden. Der ganze lebendige Körper soll gesund erhalten bleiben. Daraus folgt die Rücksicht des Gesetzes auf die Einzelnen, daraus die ungemein große Strenge und Beschränkung hinsichtlich derselben. Hier liegt z. B. der Grund für die so sehr häufige Anwendung der Todesstrafe; es soll eben der ganze Leib nicht durch die sogenannte Selbstständigkeit der Einzelnen geschädigt werden, der Organismus soll nicht durch Ansteckung von irgend welchem Gliede her in Gefahr gerathen. Hiernach findet der Gedanke der Selbstständigkeit des Individuums in den Principien des Mosaismus einen sehr spärlichen Raum. DaS Volk aber selbst in seinem Entstehen und in seinem Dasein ist der augenscheinlichste Beweis, wie wenig der Gedanke von der Selbstständigkeit des Einzelnen mit den Grundanschauungen des Mosaismus zu thun hat. Israel ist ja auch nur ein Einzelner in der großen Völkerfamilie; aber nur darum reden wir von ihm und nur darum hat es Werth oder Bedeutung für die Welt, weil Gott etwas Besonderes an ihm gelhan hat: Gott läßt es eben nicht seine Wege selbstständig weiter gehn, sondern von Abraham an bis zur Ausführung aus Aegypten und der Einführung in Canaan begiebt sich bei diesem Volke Alles nach einem andern Willen als nach dem selbstständig eigenen. DaS Heil Israels und der eigentbümliche Segen, welcher durch dasselbe der Welt zu Theil werden sollte, beruht lediglich darauf, daß

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