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Dibre Emeth · 1870-01-01 · 12 (1870) · page 16

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Journal
Dibre Emeth
Volume
26 (1870)
Issue
12 (1870)
Date
1870-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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192 sätze auch von Seiten der übrigen Nationen. Die Bestrebungen der liberalen Parteien auf dem Gebiete des staatlichen und bürgerlichen Lebens erklärt man für die Verwirklichung der wahren Religion im weiten Menschheitsgebiete, nachdem eben diese wahre Religion zuerst nur auf den engen israelitischen Kreis beschränkt gewesen sei. Die Menschheit, so wird behauptet, habe sich zur wahren Religion gewandt, seitdem ste ihr Leben in ein Leben der Gottes- und Menschenliebe zu verwandeln begonnen habe; und eben damit sei dies geschehen, daß die Gegenwart die in dem übrigen Völkergebiet zuerst von Frankreich 1789 aufgestellten Principien immer allgemeiner adoptirt habe. So habe die Religion ihren eigentlichen Boden wiedergefunden; habe man sich auf ihr eigentliches Wesen „ein rechtes Diesseits für den Menschen herzustellen" wieder besonnen. Wir sehen, die eigenthümliche Wendung der modernen jüdischen Theologie besteht darin, daß sie die Gestaltung des heutigen Zeitlebens plötzlich für den Mosaismus oder für das Judenthum erklärt. Dies Unternehmen wird mit nicht geringem Geschicke ausgeführt. Der Mosaismus war ja allerdings nur eine Zwischenstufe auf dem Wege der religiösen Entwickelung; er bezweckte die Bildung und Gestaltung eines bestimmten, nämlich des israelitischen Volkswesens; seine Aufgabe war also gewiß eine Zeitaufgabe, seine Aufgabe fiel allerdings in das Diesseits. Daraus nun zieht die moderne jüdische Theologie den Schluß, daß es überhaupt für die rechte Religion allein wesentlich sei, das Leben der Menschen für ihre Erdenzeit nach bestimmten Richtungen auszubilden. Man vermag sich der Erkenntniß nicht zu entschlagen, daß die Gestalt des Lebens in der sinaitischen Form selbst nicht verbleiben konnte, man fordert vielmehr einen Fortschritt und eine Vollendung, aber sucht die Vollendung eben innerhalb des gegenwärtigen Daseins der Völker. Es wird bekannt, der Mosaismus habe keineswegs einen neuen Bund, eine neue Ordnung der Dinge ausschließen wollen, aber das sei die Cardinaltendenz desselben, die Menschen darüber zu belehren, daß sie auf ein religiöses Diesseits gewiesen seien. Man achte wohl darauf, den Schwerpunkt im Wesen der

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