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Dibre Emeth · 1870-01-01 · 12 (1870) · page 15

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Journal
Dibre Emeth
Volume
26 (1870)
Issue
12 (1870)
Date
1870-01-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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191 Mosaische Grundgedanken. In den Jahrgängen 1869 und 1870 unserer Zeitschrift ist eine Reihe von Artikeln über das Orthodox- und Reform-Judenthum der Gegenwart erschienen. Der beschränkte Umfang unseres Blattes gestattet nicht, das Thema auch fernerhin in der gleichen Ausführlichkeit zu behandeln; gleichwohl sollen einzelne Punkte auS dem weiten Bereiche desselben noch zu einer selbstständigen Besprechung kommen. Besonders verdienen es die früher angeführten Auslassungen der heutigen Juden und zumal der Reformpartei über die sogenannten Grundgedanken des MosaismuS der Beurtheilung unterzogen zu werden; denn mit nichts wird gegenwärtig im jüdischen Lager so viel paradirt als mit dem neu aufgestellten Bilde der mosaischen Principien. Wie von uns nachgewiesen worden ist, hat man es neuerdings auf jüdischer Seite unternommen, die Gestaltung des heutigen Cultur- und Völkerlebens unter die Weihe des sinaitischen Gesetzes zu stellen. Nach dieser Anschauung mündet eigentlich die Geschichte der Völker in ihre Unterwerfung unter die sogenannten Principien des Gesetzes Mosis. Eben dieses Gesetz erklärt man aber auch als das wohlbewahrte Fundament des Judenthums aller Zeiten, und weiß auf diese Weise zugleich die talmudische Epoche des Judenthums mit der gegenwärtigen durch ein religiöses Band zu verbinden. Den völligen Umschlag, welchen das Leben der Juden erfahren hat, indem es aus der äußersten Abschließung gegen alles Nichtjüdische nunmehr in sein Gegentheil übergegangen ist, nämlich in eine fast alles Interesse des israelitischen Stammes beschäftigende Ausnutzung der erlangten Verbindung mit den Nichtjuden, hält man für gerechtfertigt, wenn man eben dieses Thun und Treiben mit freilich höchst merkwürdigen Gründen als das echte Judenthum, speciell als den echten Mosaismus nachgewiesen hat. Wir hören also die Juden gegenwärtig behaupten, die heutige innere Entwickelung der Völker bestehe in einer Annahme und Anwendung der mosaischen Grund-

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