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Dibre Emeth · 1870-01-01 · 12 (1870) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
26 (1870)
Issue
12 (1870)
Date
1870-01-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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188 Beweggründe hat, ist ja des Gesetzes Erfüllung. — Der letzte Vergleichungspunkt der beiden Darstellungen endlich liegt in der Folge des Gerichts. Die Seelen der Ausgestoßenen gehen nach dem Talmud mit Seufzen ab, bei Matthäus heißt es: die Gottlosen werden in -die ewige Pein gehen, die Gerechten aber in das ewige Leben. Zwar suchen sich die Verurtheilten nach beiden Darstellungen vor dem Richter zu entschuldigen; dort sagen sie: Herr, hast du uns ein Gesetz gegeben und wir haben es nicht angenommen? hier: Herr, wenn haben wir dich hungrig, oder durstig u. s. w. gesehen und haben dich nicht gespeiset u. s. w. Wenn aber der Richterspruch und die Scheidung vollzogen ist, so ist das Schicksal der Verurtheilten unabänderlich d. h. nichts kann das Urtheil aufheben oder ungültig machen. Unabwendbar und für ewig ist das Gericht. — Jetzt nur noch ein Wort über die unterscheidenden Merkmale zwischen beiden Darstellungen. Da fällt zunächst in der Talmudhagada der sonderbare Umstand in die Augen, daß die Juden, obwohl sie vor dem ewigen Richter erscheinen, doch insgesammt frei gesprochen werden; sie allein sind die Auserwählten, alle übrigen Völker werden verdammt. Die Hagada giebt sich alle Mühe, die jüdische Nation so rein hinzustellen, daß Gott der Heilige nichts Verdammungswürdiges an ihr auffindet. Damit aber alle Heiden insgesammt vor Gott verwerflich erscheinen, ohne daß der Richter selbst parteiisch ist, wird die sonderbare Ausflucht ersonnen, das Gesetz sei ihnen dereinst angeboten worden, sie aber hätten eö von sich abgewiesen. Das Gesetz hat also nach dem Talmud die Runde durch die Völker gemacht, von einer Nation zur andern, überall aber hat man ihm den Laufpaß gegeben, nur die jüdische Nation allein hat es auf dem Sinai angenommen und ist seinen Forderungen getreulich nachgekommen. Israel allein ist somit am Tage des Gerichtes nur sünd - und schuldlos. Daß diese Ansicht der Hagada falsch und verwerflich ist, leuchtet auf den ersten Blick ein. Welcher Jude unter der Sonne könnte von sich wohl rühmen und sagen: Ich habe durch mein ganzes Leben den Willen Gottes befolgt, es ist nichts Un-

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