Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 9-11 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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175 Eines Abends war ich von meiner Tagesarbeit ermüdet, und sah mich nach einer leichten Lektüre um; da dachte ich an die große Zahl von Traktaten, welche mir der Missionar hinterlaffen hatte. Ich nahm einen derselben und las ihn. Der Inhalt desselben war daS 53. Capitel Jesaiah und nichts weiter. Der Gegenstand hatte mich sehr interessirt, aber ich wußte nicht, von wem der Prophet sprach, noch überhaupt etwas von dem Propheten Jesaiah. Ich war erregt und fand keine Ruhe. „Wer ist der, auf den Gott unser Aller Sünde gelegt hat?" Ich frug am folgenden Tage einige Juden über das 53. Capitel Jesaiah. Sie sahen mich an und sagten: „Was hast du mit diesem Capitel zu thun? denk an dein Geschäft." Aber ich fühlte, es hatte etwas mit mir zu thun. So fand ich den Missionar wieder; das Neue Testament erklärte mir Alles, und, gelobt sei Gott, ich wurde gläubig an Christum Jesum. Ich liebe ihn, ja wohl, ich weiß, daß ich es thue, und ich wünsche nur, ich liebte ihn mehr." Jetzt ist der Mann sehr freundlich gegen alle Bekehrten, obgleich er vor seiner Bekehrung nicht an die Redlichkeit der Juden, welche Christen wurden, glaubte. In London wächst die Zahl der gläubigen Israeliten ein jedes Jahr, und während in der Regel den Armen das Evangelium gepredigt wird, und manche unter ihnen es hören und annehmen, finden wir es doch auch hier und da, daß der Geist Gottes das Herz von Juden, die den höheren Ständen angehören, rührt, so daß sie dem Sohne Gottes huldigen lernen. Ein Wort von Dr. Cappadose. Bei der Berliner Conferenz der Judenmisstonsgesellschaften war auch der bekannte Dr. Cappadose aus dem Haag als Vertreter der holländischen Gesellschaft anwesend. Der theure Greis, der mit seinem noch auf dem Sterbelager von Christo überwundenen Bruder als einer der edelsten und bedeutendsten Proselyten vielfach bekannt ist, war natürlich auch der Gegenstand des herzlichsten Interesses für die ganze Versammlung. Zweimal ergriff derselbe in den Tagen der Conferenz das Wort, und die kürzere Ansprache, welche alle Anwesenden ergriff, lassen wir an dieser Stelle folgen. Im Anschluß an das Referat des Professor Cassel über die Erweckung der Theilnahme für die Judenmisston in weiteren Kreisen der christlichen Gemeinde sagte er außer Anderem: Es ist hier über das Proselytenmachen gesprochen; es giebt aber kein Christenthum, welches nicht Proselyten machen müßte. Unser geschätzter General - Superintendent Hoffmann hat einst ein Motto hingestellt, welches aus meiner Seele herausgesprochen ist, nämlich: Liebe, Liebe, nur Liebe. Liebe und Glauben wünschen Proselyten zu