Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 9-11 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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176 machen, um die, welche fern sind, mit unseren Armen aufzunehmen, damit sie denselben theuren Glauben genießen wie wir. Der Herr Referent hat davon gesprochen, daß man das Alte Testament ebenso halten müsse, wie das Neue Testament, und es ungetheilt annehmen, wie das Neue. Da fitzt ein König auf dem Richterssuhle, und vor ihn treten zwei Frauen, die eine mit einem lebendigen, die andere mit einem todten Kinde, und die eine sagt, das lebendige Kind ist mein, und die andere auch, daS lebende Kind ist mein. Und was sagt der weise König, der die Weisheit von Gott gelernt hat? Nehmet das lebendige Kind und schneidet es in Stücke! Da ging das Herz der Mutter über, und fie sagte: Ehe es zerschnitten wird, nimm es ganz hin, daß es lebe! Das war das Herz der Mutter. Siehe da, die Frage zwischen dem Alten und dem Neuen Testamente! Man soll das lebende Kind behalten und nicht auseinanderschneiden, und daran wird die wahrhaftige Mutter erkannt und ihre wahre Liebe zu dem Kinde. Der wahre Christ wird das Alte wie das Neue Testament in sein Herz aufnehmen und darnach trachten, es in's Leben zu übersetzen. Roch ein kurzes Wort über einen Vorfall, dem ich beigewohnt habe und der einen tiefen Eindruck auf mein Herz gemacht hat. Der König gab eine große Audienz, und bei derselben erschien auch der Ober-Rabbiner, ein alter zitternder Mann, der kaum gehen konnte, und zugleich mit ihm erschien ein evangelischer Prediger, der sowohl das Alte wie das Neue Testament gründlich kannte. Der Prediger gab dem Ober-Rabbiner den Arm, führte ihn und sagte: „Altes und Neues Testament müssen einander führen und zusammenbleiben!" Dr. Cappadose selbst stand dazu als ein lebendiges Bild dieser Vereinigung des Alten und Neuen durch Christum vor den Augen der Anwesenden. In verhältnißmäßig jungen Jahren für Christum gewonnen, ist in ihm noch nichts von der heiligen Gluth erloschen, welche die Liebe Christi einst in ihm entzündet hatte. Kann ein Greis, der die Täuschungen des Lebens allzumal hat schwinden sehn, einen Fuß im Grabe, noch mit gleicher Seligkeit das Preisen, was ihm einst in früheren, längss verflossenen Jahren als Licht ewiger Wahrheit aufgegangen ist, dann macht es auf jedes Herz, das solches wahrnimmt, einen gewissen Eindruck. Und Schreiber dieser Zeilen hat gerade um dieser Erfahrung willen wiederum das Wort verstanden, daß Christus in der Thal A und O, Anfang und Ende, derselbe gestern, heute und in Ewigkeit ist. Dieses Blatt erscheint jährlich in 8 bis 10 Hefte«, zusammen 12—14 Bogen. Preis für den Jahrgang 10 Sgr. Z» Commission; Carl Dülfer's Buchhandlung in Breslau. Druck von C. H. Storch und Comp, in Breslau.