Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 9-11 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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angesehen wurde, da ich mich auf diese. Weise zu meinem künftigen Berufe vorbereitete und schon fast so viel verdiente, als ich bedurfte. Als ich ungefähr 18 Jahre alt war (Mai 1831), erhielt ich eine Anstellung als jüdischer Lehrer und Vorleser in der Synagoge, so wie ich auch gelegentlich Ansprachen in der Synagoge Kalten und Kinder öffentlich confirmiren durfte, welche das 13. Jahr ihres Alters erreicht hatten. In einem Zeiträume von 8 Jahren bekleidete ich dieses Amt an 2 Orten des Königreichs Hannover; und nach den Zeugnissen der jüdischen Gemeinden eben so wohl, als nach denen des Rabbi und der christlichen Vorsteher dieser Städte, Zeugnissen, die allzumal noch heute sich in meinem Besitze befinden, augenscheinlich zu ihrer Zufriedenheit. Ein Theil der mir obliegenden Pflichten war der Unterricht in der Religion und in der biblischen Geschichte. Es war meine Ge» wohnheit für diese Gegenstände mich täglich vorzubereiten, ehe ich in die Schule ging, da ich stets gefühlt hatte, daß Religion das Eine und Unerläßliche sei, um ein gutes Fundament zu besitzen, auf welchem erst alle anderen Kenntnisse erbaut und nützlich gemacht werden können. So war mir der Weg eröffnet tiefer in den Geist des Judenthums einzudringen, als ich eS früher gethan hatte, ehe ich mein Amt antrat. Bis zu dieser Zeit war ich sehr streng in der Beobachtung der kleinsten jüdischen Vorschriften, wie ich denn so gelehrt worden war, ohne je auch nur für einen Augenblick daran zu denken, warum dieselben angeordnet worden waren. Nun aber begann ich nachzudenken, zu vergleichen, zu fragen, da ich verschiedene Widersprüche gefunden hatte, als ich den Religionsunterricht, den ich ertheilte, dem Worte Gottes gegenüberstellte. Doch machte dies keinen wirklich ernsten Eindruck auf mein Herz, noch brachte es einen besonderen Wechsel in meinen Gefühlen und in meinem Thun hervor: ich beobachtete so genau wie früher ein Jegliches, das von einem orthodoxen Juden gefordert wurde. , So gingen fast 3 Jahre dahin, nach denen ich an einem andern Orte angcstellt wurde. Und hier war es,,wo ich es zu fühlen begann, daß der Herr mich in seiner Gnade durch Seile der Liebe zu sich zog. Er sah in seiner kheuren Güte auf mich armen Sünder in Gnaden