Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 9-11 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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148 jüdische Viertel gehen. Dagegen kommen fortwährend Zuden zu ihm. Während der wenigen Stunden, die wir bei ihm zubrachten, fanden wir bei ihm drei oder vier forschende Juden: der eine derselben ein Rabbi, und die Andern Männer, die augenscheinlich Achtung in der jüdischen Gemeinde besaßen; sie waren gekommen von ihm über das Evangelium Christi zu hören und zu lernen. In Holland herrscht der Rationalismus auf den Kanzeln. ES ist daher unumgänglich nothig die Schafe auch zu pflegen, wenn sie zur Heerde gebracht sind, und darauf wohl zu achten, daß ihnen das reine Wort Gottes gelehrt werde. Deshalb besitzt unsere Londoner Missionsgesellschaft in Amsterdam eine Missionscapelle und hält in derselben eigene Gottesdienste. Ich würde mich freuen, wenn eS möglich wäre, Ihnen einen von diesen Missionsgottesdiensten zu zeigen; denn ich muß bekennen, sie waren für mich ein außerordentlich anziehendes Schauspiel, trotz meiner Unbekanntschaft mit dem Holländischen. Mr. Pauli brauchte unsere eigene englische Liturgie, und diese armen Leute vereinigten sich mit ihm zu derselben, so gut sie konnten. Manche standen, wo sie sitzen sollten und saßen wieder, wo sie hätten stehen müssen, während andere während deö ganzen Gottesdienstes bedeckt blieben. Ich bemerkte , daß die Frau, welche die weiblichen Beterinnen in ihre Sitze wies, einigen derselben einen Kuß gab — wahrscheinlich eine Eigenthümlichkeit des holländischen Gottesdienstes. Mr. Pauli hatte vorher zu mir gesagt: „Es thut mir leid um Sie, denn der Pastor muß eine Stunde predigen, und Sie werden ihn nicht verstehen können." Dennoch fanden wir, daß dieses Mitleid durchaus nicht nöthig war; denn obgleich die Predigt wenigstens eine Stunde dauerte, lag doch so viel in der ganzen Haltung des Predigers und in der Aufmerksamkeit der Versammlung, daß diese Stunde wahrscheinlich eine der glücklichsten war, die wir jemals zugebracht haben. Die kleineKirche wird für 400 Personen Sitzplätze haben, und sie war von einem Ende bis zum andern dicht besetzt. Unter den Anwesenden eine beträchtliche Zahl von Solchen, welche der besondere Gegenstand der Sorge und Aufmerksamkeit unserer Gesellschaft sind. Unter Anderen bemerkte ich ein Paar, von dem der Eine schwerhörig und stumm war, während der Anderediesem die Aeußerungen des Sprechers mittheilte. Als wir die Kirche verlie-