Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 9-11 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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143 Ja Manchem ist es sogar sehr unangenehm, wenn er nach Thora und Talmud gefragt wird. Die Unwissenheit der Reformjuden, grade bezüglich des Talmuds, ist oft so groß, daß sie nicht einmal die äußeren Bestandtheile desselben kennen, geschweige denn, daß sie mit seinem Inhalt vertraut wären. Selbst die Synagogengebete des Machsor, die täglichen, wie die an Festtagen gebräuchlichen, läßt das Reformjudenthum nicht unangetastet; sie werden willkürlich verstümmelt und umgeändert, alles was mit den modernen Zeitanschauungen nicht in Uebereinstimmung steht, wird ausgemerzt. Geigers Plan zu einem neuen Gebetbuche (Breslau 1870, Schletter sSkutschj) liefert den Beweis dafür. Nach diesem sollen künftig alle Stellen, die grade das Charakteristische des Judenthums ausmachen, in Wegfall kommen, unter anderen das sich oft wiederholende Gebet der Zerstreuten um Rückkehr nach Jerusalem, um Wiederaufbau des Tempels als eines Einigungspunktes der jüdischen Gemeinde, nicht minder das Flehen um Neubelebung des blutigen Opferinftitutö, und was das wichtigste ist, die Bitte um das Kommen des Messias und die Beschleunigung der Erlösung. In letzterer Beziehung wird z. B. im Achtzehn-Gebet (SoLswous ssrsL) das 7K1) K'QDI in (d.i. der einen Erlöser bringt in: der Erlösung bringt) umgewandelt. Da ferner die jüdische Nation gegenwärtig in den meisten Staaten staatliche Anerkennung erlangt hat, so sollen ebenso alle Ausdrücke wie miQ rftni, wir sind in großer Bedrängniß, fortgelaffen werden. Das Judenthum sucht also eine Ausgleichung zwischen demUeberkommenen, dem von den Vätern der alten Synagoge Festgeftellten mit dem modernen Welt- und Zeitbewußtsein herzustellen, bedenkt aber dabei nicht, daß die ererbten Satzungen nach der Ueberliefemng gar keiner Aenderung unterworfen werden dürfen, wenn nicht daö Seelenheil der Einzelnen gefährdet werden soll. Genau betrachtet giebt es aber gegenwärtig noch kein allgemeines Reformjudenthum, denn in jeder Gemeinde tritt der Widerstreit gegen die Halacha bald schroffer, bald weniger schroff hervor, je nachdem Sympathien oder Antipathien gegen dieselbe vorhanden sind. Die Reform hat in jeder Gemeinde eine mehr individuelle Färbung und Gestaltung. Ist die eine Gemeinde mehr vom fortschrittlichen Bewußtsein