Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 9-11 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Ul So würde, wie gesagt, mancher Jude betend sich zum Himmel wenden, wenn er allen Lehrstreit bei Seite lassend, eine Vergleichung seiner MessiaShagaden mit dem von den Evangelien des neuen Testamentes vorgeführten Lebensbilde Christi vornehmen wollte. Doch genug hiervon. Wir behaupten abermals, wenn das Judenthum die Hagada verwirft, so verwirft es dadurch nicht nur den schönsten Theil seiner Literatur, sondern eS wird nie und nimmermehr zur Erkenntniß der Wahrheit kommen, auf Gmnd deren man ruhig sterben und die sichere Hoffnung des ewigen Lebens haben kann. Wir Christen schätzen und und lieben die Hagada; sie liefert uns zugleich den Beweis für die Wahrheit und Richtigkeit der neutestamentlichen Lehranschauung im Allgemeinen und im Besonderen. Wenn aber der Jude uns vorhält, daß die MessiaShagaden erst durch Beeinflussung der christlichen Lehre in die jüdische Hagadaliteratur gekommen sei, so ist das gradezu eine Unwahrheit. Vor hundert und mehr Jahren ist es auch noch Niemand eingefallen, diesen Einwurf zu erheben, wenigstens ist uns derselbe bis jetzt noch in keinem Werke aus derselben Zeit entgegen getreten. Der Einwurf gehört erst der Neuzeit an, seitdenr christlicherseits man angefangen hat, die Juden auf das Hagadagebiet mit Nachdruck hinzuweisen und aufmerksam zu machen. Schließlich nur noch einige Bemerkungen über die Autonomie der Halacha. Ihr allein schreibt das Judenthum, wie schon oben erwähnt, Autonomie zu. Giebt aber die Halacha dem Herzen volle Befriedigung und kann sie ihm solche geben? Ist sie wirklich der Art, daß der Jude bei ihrer Befolgung ruhig leben und sterben kann? Wir sagen: Nein! Zunächst ist sie so überaus reich an Vorschriften und Bestimmungen, . daß kein Jude im Stande ist, mag er das beste Wollen haben-, sie zu erfüllen. Jeder wird vielmehr, wenn er sich prüft, zugestehen müssen, daß er allenthalben wider sie gefehlt habe. Und doch ist er zum Halten derselben verpflichtet und jede Uebertretung zieht göttliche Strafe nach sich. Ein sittliches Deficit zu haben, muß also Jeder betreffs der Erfüllung der Halacha zugestehen. Wie kann der Jude aber mit solch einem Deficit mit wahrer HerzenSfteudigkeit und GewiffenSruhe den Weg in das Jenseits antreten? Wird doch schon ein Kaufmann, wenn er die Bilanre zieht und ein pekuniäres Deficit entdeckt, unruhig, wie