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Dibre Emeth · 1870-01-01 · 9-11 (1870) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
26 (1870)
Issue
9-11 (1870)
Date
1870-01-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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140 zu allen Völkern im ^weiteren Sinne des Wortes auögemalt haben, natürlich an der Hand des Alten Testamentes. Es ist undenkbar, daß der Mesfias als ein bloßes Nebelbild in ihrer Phantaste gelebt habe, er muß eine bestimmte Signatur, einen ausgeprägten Character an sich getragen haben. Die Hagada giebt uns nun ein solches ausgeprägtes und allseitig ausgeftalteteS Bild vom Messias, warum soll dasselbe nun nicht die Züge des Leidens an sich tragen, warum soll es nicht die Stigmata der Marter und Schmerzen an sich tragen können, da das Alte Testament doch deutlich genug auf den geschlagenen Gottesknecht hinweist? Daß der Erlöser des ChristenthumS aber vollständig dem von der Hagada entworfenen MesstaSbilde entspricht, daß er so geartet und gestaltet ist, überhaupt, daß er alle die Merkzeichen an sich trägt, die ihn als Sohn Gottes und zugleich als realen Menschen erscheinen lassen, der in Niedrigkeit und Armuth das große Werk der Erlösung vollfährt und dadurch den Willen der heiligen Liebe verwirklicht, darin möchten wir eben die stegesfrohe Gewißheit und Zuversicht finden, daß er der wahre Messias sei und man auf keinen anderen warten dürfe. DaS Judenthum kann grade auf diesen Punkt nicht genugsam hingewiesen werden. Oder sollte etwa der Messias einen Doppelgänger haben? Möchten doch die Juden ihre Antipathie gegen den christlichen Erlöser zurückhalten, möchten sie mit Beiseitelassung alles Grolles und Widerstreits des Herzens einmal das neutestamentliche Gegenbild des Messias mit dem talmudischen und midraschischenVorbilde ernstlich und gewissenhaft vergleichen und dazu die alttestamentliche That- und Wortweissagungen, die vielen Typen und Symbole hinzunehmen; wir möchten uns der Hoffnung hingeben, daß so Manchem es dann wie dem Apostel Paulus ergehen und es ihm wie Schuppen von den Augen fallen werde. Ja Mancher würde die Hände falten und beten: O Herr Jesu, du bist auch mein Mittler und Erlöser, du hast auch für mich am Stamme des Kreuzes geblutet und dadurch meine Sündenschuld vor Gott dem Heiligen gesühnt. Wie sind meine Augen doch bisher gehalten, meine Sinne umdüstert und umflott gewesen, daß ich nicht schon längst die Wahrheit erkannt habe. Vor lauter Irrwegen aber konnte ich den rechten Weg zum Leben, zur Seligkeit nicht finden. O vergieb mir meine Blindheit!

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