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Dibre Emeth · 1870-01-01 · 9-11 (1870) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
26 (1870)
Issue
9-11 (1870)
Date
1870-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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139 Lehranschauung ausfindig machen. Und bedeckt man ferner noch, welche Abneigung das Judenthum von jeher gegen das Christenthum im Allgemeinen und gegen die Lehre von der christlichen Versöhnung durch den freiwilligen Opfertod des Messias insbesondere an den Tag legt, so muß man sich doch ernstlich fragen, wie in aller Welt soll grade das Centrale der christlichen Lehre in die alten Hagadawerke deS JudenthumS eingedrungen fein. Wir möchten im Gegentheil behaupten und glauben der Wahrheit dabei noch nicht so sehr ins Gesicht zu schlagen, daß die Juden so manche Messiashagada aus ihrer Literatur mögen ausgetilgt haben, um den Christen nur ja nicht Gelegenheit zu geben, von ihnen auf das Uebereinstimmende in der Lehre vom Messias hingewiesen zu werden. Wenigstens ist das gegenwärtig der Fall. In vielen neueren Druckausgaben der Midraschliteratur fehlen die Hagaden vom leidenden Messias. Doch zugegeben einmal, das Christenthum hätte wirklich mit seinem Centraldogma das Gebiet der jüdischen Hagadaliteratur berührt, wie steht es denn dann mit den messianischen Hagaden des Talmuds, d. i. der babylonischen und jerusalemischen Gemara? Sollen diese etwa auch erst in Folge christlicher Einwirkung sich eingebürgert haben? Daß es Messiashagaden aber im Talmud giebt, wird wohl kein Jude abzuleugnen wagen. Nein, die Messiashagada ist ein Ausfluß ächt jüdischen Geistes, sie ist das Product der alten Synagoge, entstanden durch die religiöse Betrachtung der messianischen Weissagungen des Alten Testamentes, vor allem von Jes. 53, Sach. 9, 9 u. v. a. Die alte Synagoge in Palästina sowohl als in Babylon hat sich ganz selbstständig entwickelt, und wenn das Christenthum auch um sie ringsum fein Panier aufgeschlagen, so hat sie sich von demselben doch ganz abzuschließen gewußt. Nimmt man noch hinzu , daß unter den dreizehn Glaubensartikeln des Maimonides auch einer von dem Kommen des Messias handelt, der Messias also bestimmt noch erwartet wird, so ist doch wohl auch anzunehmen, daß in der alten Synagoge der Glaube an das Kommen des Messias vorhanden gewesen fein muß. War das aber der Fall, was wiederum kein Jude leugnen kann, so werden die Vertreter der alten Synagoge sich auch eine Vorstellung vom Messias'gemacht, sie werden sich seine Natur, seine Werke, sein Verhältniß zu der jüdischen Nation im engeren Md

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