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Dibre Emeth · 1870-01-01 · 7-8 (1870) · page 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
26 (1870)
Issue
7-8 (1870)
Date
1870-01-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
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135 Gerade Israel hat die Gaben und Kräfte, deren Entwickelung die Cultur ausmacht, in geringerem Maße als viele Andere empfangen; gestehen die Juden doch selbst ein, daß sie auf diesem Gebiete zwar Talente, aber nirgends original, nirgends epochemachend sind. Ja Israel hat seine Aufgabe im Gegensatz zu den Völkern erhalten, denen die Aufgabe zugefallen ist, die angeborenen menschlichen Kräfte und die Ausgestaltung der menschlichen Gemeinschaft auf dem natürlichen Boden zu entfalten. Hier und da wird dies auch von den Juden erkannt, wenn sie es aussprechen, daß Israel von Gott in das Verhältniß zu dem Allerhöchsten, zu ihm selbst gesetzt sei. Ihm war ja allerdings der Beruf geworden, aus dem Boden eines Volkslebens in einer bis auf das Kleinste festgesetzten Weise dieVerbindung oder Gemeinschaft mit Gott darzustellen. Aber kein Menschenleben hat weniger als das Volksleben Israels mit dem Culturprinzip zu thun; kein Leben ist weniger auf die Entwickelung der menschlichen Fähigkeiten und Kräfte angelegt, als das jüdische nach dem Gesetze vom Sinai. Das mosaische Gesetz verflucht die allergeringste Aenderung an seinen Bestimmungen; cö setzt eine Form des Volkslebens fest, welche unwandelbar dieselbe bleiben soll, bis Gott selbst einen neuen Bund herbeiführt. Hier hat der Forschritt in der äußeren Gestaltung des Lebens keinen Raum, er ist vielmehr auf das Allerstrengfle verboten. Das Gesetz nöthigt Israel bleibend zu der einfachsten Beschäftigung, zu der Beschäftigung vor Allem mit dem Landbau, denn der älteste Sohn muß das Land seines Vaters wieder bestellen. Es verbietet nicht Künste und Wissenschaften, aber Gott hat das ganze Leben des Volkes so gestaltet, daß es beständig denselben einfachen Charakter tragen soll, und eben deshalb sind jene ganz leicht entbehrlich. Die Cultur, die wachsende und steigende Verwerthung der angeborenen Geistesanlagen, ist das charakteristische Gepräge der , anderen Nationen; Israel bleibt derselben in sehr viel höherem Maße fern. Treten besondere Ansprüche auf, wie beim Tempelbau des Salomo, dann helfen Ausländer, oder Gott erweckt Männer, denen er die besonderen Gaben für das Werk ertheilt; aber eben das ist nölhig, weil der Kunstsinn vorher wenig Gelegenheit zur Pflege gefunden hatte. Gründlicher kann daher wohl die Wahrheit nicht in ihr Gegentheil

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