Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 7-8 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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118 und des unreinen Sünders durchgreifend hervortreten läßt. Deshalb ist sein Resultat: der Zwiespalt zwischen Mensch und Gott; und eben dieses Resultat ist das gerade entgegengesetzte von dem, welches die Juden zumeist gefunden zu haben glauben, wenn sie etwa in folgender Weise schließen: Gottes Wesen spiegelt sich wieder in der geschaffenen Welt; das Gesetz ist der Spiegel, in welchem die Strahlen von der Natur her sich sammeln und in das Auge der Inden fallen; die Juden endlich werden zu lebendigen, persönlichen Bildern dessen, was vorher nur Bestimmung und Wort war. So steigt ihre Skala, und der Schluß ist wieder: die jüdische Herrlichkeit. Die Reformer übrigens bleiben auch nicht consequent bei ihrer richtigen Erkenntniß von dem Verhältnisse zwischen dem Gebiete der Natur und der Welt des Geistes. Denn so sehr einmal von ihnen hervorgehoben wird, daß man mit der bloßen Naturbetrachtung höchstens zum Polytheismus oder Pantheismus komme, so naiv wird dann wieder behauptet, es könne keinen Widerspruch zwischen der Gotteslehre und den Naturerscheinungen geben; erst der Kirchenglaube habe einen solchen Widerspruch schaffen wollen. Eben noch hat man bekannt, daß Sittlichkeit und Natur stch meist im striktesten Gegensatz gegen einander befinden; aber, da stch eine Gelegenheit darbietet, das Christenthum zu schlagen, darf dieselbe nicht unbenutzt vorübergelassen werden! e. Das Gesetz als praktische Wahrheit. Die Bedeutung des Mosaismus ist, wie wir gesehen haben, die, daß er dem Volke Israel eine Nationalverfassung geben muß, welche göttlichen Ursprungs ist, und ihre ganz bestimmte Stelle in dem Heilswerke hat, das auf die Verbindung der ganzen Menschheit mit Gott abzielt. Daher liegt der jüdischen Auffassung des mosaischen Gesetzes, welche behauptet: „das Judenthum besitzt die Wahrheit in praktischer Weise," ein richtiger Gedanke zu Grunde. Für das Alte Testament besteht die Wahrheit allerdings nicht in bloßen Lehrsätzen oder Formeln oder Geboten, sondern darin, daß der Wille Gottes im Leben der Menschen und der ganzen Schöpfung zur durchgreifenden Wirklichkeit wird. Das Gesetz Mosis sagt dem Volke