Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 7-8 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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117 Man meint jüdischerseits, daß die Naturgesetze in den mosaischen Geboten ihre Ausprägung für den Menschen gefunden und beide die Aufgabe empfangen hätten: dem Menschen das Wesen Gotres darzustellen. In dem Streben, die jüdische Besonderheit recht zu erhöhen, hat man sich auf diese Weise doch gewaltig vergriffen. Gottes Wesen ist in sich einig, die Naturgesetze dagegen zeigen die Welt überall in sich selbst zwiespältig; sie werden auch nicht durch das Band der Liebe zusammengehalten, sondern lassen fortwährend ein feindseliges Widerstreben gegen einander zu Tage treten, so daß nur durch eine höhere Macht die bestimmte Ordnung der Erde erhalten bleibt. Tie Naturgesetze sind auch nicht sittliche Kräfte; ein jedes folgt ohne jede Rücksicht auf die anderen seiner eigenen Art, und eben deshalb würden sie dem Ganzen schädlich werden, wenn nicht jedem einzelnen eine hindernde Schranke entgegenträte. So geben uns die Naturgesetze nirgends ein Bild des göttlichen Wesens; auch in ihrer Zusammenfassung und in ihrem Zusammenwirken stellen sie keine wahrhafte Harmonie, kein liebendes Jneinandergreifen, sondern vielmehr nur einen Kampf bar, in dem eine höhere Gewalt dem Einzelnen Maß und Ziel setzt, damit ihr höherer Wille geschehe. Es wird mit Recht von einer Stimme aus dem Lager der jüdischen Reform hervorgehoben, daß die Natur uns wohl ein Gebiet zeige, auf welchem die Macht Gottes sich beweise, nicht aber das Gebiet der Sittlichkeit oder Heiligkeit, für welche der persönliche Geist die Grundbedingung ist. Das mosaische Gesetz dagegen hat es mit sittlichen Geboten zu thun; es richtet sich an die Herzen des Volkes Israel, denen es die Ausgabe stellt, in dem Kreise eines Volkslebens die Liebe gegen Gott und gegen den Nächsten zu beweisen. Dieses Gesetz soll allerdings das Wesen Gottes: „seine Liebe und seine Heiligkeit" unter der bestimmten concreten Form einer Nationalverfassung den Israeliten zum Bewußtsein bringen; aber freilich in der Weise, daß es Ja und Nein gegenüberstellt, daß es den Menschen zurErkenntniß seiner Lieblosigkeit und Unheiligkeit führt, und daß es den Gegensatz des reinen Gottes